Atmen – Atemhilfen: Atemphysiologie und Beatmungstechnik

Kategorien: Anästhesie, Innere Medizin, Intensivmedizin und Notfallmedizin.

Titel: Atmen – Atemhilfen: Atemphysiologie und Beatmungstechnik (10. Auflage)
Autor: Wolfgang Oczenski
Verlag: Thieme
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Preis: 89,99 EUR
Seitenzahl: 584
ISBN: 9783131376107
Bewertung:

Inhalt

Bringt man Interesse für die Intensivmedizin, oder auch nur die Anästhesie und Notfallmedizin mit, wird einem bereits in Studium in so mancher Famulatur oder so manchem Praktikum das Buch „Atmen – Atemhilfen“ von Wolfgang Oczenski empfohlen, welches nun inzwischen in der 10. Auflage vorliegt. Kein Wunder, ist die maschinelle Beatmung und Atemunterstützung doch ein wichtiges Feld der Medizin, welches allerdings nicht immer leicht zu überblicken ist.

Die 584 Seiten dieses Buches schaffen es, die gesamte Breite der Atmung und der Beatmungstechnik verständlich und übersichtlich darzustellen – von den Grundlagen der Atemphysiologie über die grundlegenden Eigenschaften maschineller Beatmung bis hin zu Spezialverfahren und – anwendungen.

In einem ersten Schritt wird von Wolfgang Oczenski auf den ersten 125 Seiten auf die Anatomie und Physiologie des Respirationstraktes eingegangen. Eine reichliche Bebilderung mit bereits 60 der insgesamt 336 Abbildungen hilft beim besseren Verständnis der physikalischen Eigenschaften von Gasen, Druckverhältnissen sowie Lungenkapazitäten. In der Ausführlichkeit, mit dem diese Grundlagen besprochen werden, würde sich das Buch auch als Vorbereitung auf Prüfungen der vegetativen Physiologie (zum Thema Atmung), nicht lediglich zur kurzen Rekapitulation vor dem Fokussieren auf die klinischen Aspekte eignen. Bereits in diesem Teil finden sich aber stets auch Verweise auf die Klinik, sowohl auf Erkrankungen des Respirationssystems als auch auf die Fallstricke der künstlichen Beatmung, was ihn damit auch in dieser Hinsicht lesenswert macht.

Nach einer kurzen Abhandlung zur respiratorischen Insuffizienz stellt der folgende Abschnitt zu den Beatmungstechniken die verschiedensten Beatmungsformen, auf die man zurückgreifen kann, im Detail mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen vor – bis hin zu Spezialverfahren mit der Ableitung der elektrischen Aktivität des Zwerchfells. Erfreulicherweise wird dabei auch Rücksicht auf die unterschiedliche Nomenklatur der verschiedenen Hersteller genommen und dies, sofern nötig, direkt aufgeschlüsselt. Ebenso wird ausführlich auf die Möglichkeiten der Nicht-Invasiven Beatmung eingegangen. Auch das Weaning vom Respirator, die Nebenwirkungen der Beatmung, die verschiedenen Möglichkeiten des Beatmungsmonitorings, und die Atemtherapie werden im Detail besprochen.

Nach diesem generellen Überblick folgen spezielle Beatmungsstrategien bei verschiedenen Krankheitsbildern. Ein verstärkter Fokus wird dabei auf das akute Lungenversagen gelegt, für das additive Therapiemöglichkeiten sowie weitere Therapieansätze wie extrakorporale Gasaustauschverfahren oder Hochfrequenzbeatmung vorgestellt werden. Eine Einführung in die Beatmung in der Neonatologie und Pädiatrie sowie eine kurze Abhandlung zur hyperbaren Oxygenierung runden das Werk ab.

Didaktik

Der Untertitel des Buches, „Atemphysiologie und Beatmungstechnik“, verspricht nicht zu viel – der Autor arbeitet sich strukturiert von den Grundlagen zu den speziellen Verfahren vor. Im Vordergrund stehen hierbei die ausführliche Besprechung der physiologischen Grundlagen, die für das Verständnis der Beatmungsverfahren essentiell sind, sowie die detaillierte Vorstellung der Beatmungsmodi. Hierbei wird Schritt für Schritt vorgegangen und beispielsweise vorab die grafische Darstellung des Atemzyklus, die auch auf den gängigen Beatmungsgeräten angezeigt wird, im Detail erklärt. Nachdem durch diese beiden Teile sichergestellt ist, dass der Leser ein Beatmungsgerät sowohl bedienen als auch sinnvoll einstellen kann, wird es Schritt für Schritt spezieller – über Weaning und die Nebenwirkungen bis hin zu verschiedenen Strategien. Ein Überblick über die Technologie der Beatmungsgeräte, sicherlich für allem für tägliche Nutzer interessant, wurde fast Ende des Buches gestellt. An jedes Kapitel schließt sich eine Vielzahl an Referenzen zu weiterführender Literatur an.

Preis/Leistung und Fazit

„Atmen – Atemhilfen“ bietet einen strukturierten und detaillierten Einblick in die Mechanismen der Atmung und die maschinelle Beatmung. In dieser Fülle ist dies generell im Studium sicherlich nicht notwendig, bei Interesse für Intensivmedizin und Anästhesie und entsprechender praktischer Tätigkeit kann dies allerdings schnell nützlich werden – wenn man mit Beatmungsgeräten in Kontakt kommt, ist es immer besser, diese nur mit einem guten Verständnis für das, was man dort einstellt, bedienen. Mit 90 Euro ist das Buch zwar kein Schnäppchen, wenn man für sich selbst allerdings eine Zukunft in den entsprechenden Fachbereichen sieht, ist das Geld gut investiert.