Bad Pharma: How Drug Companies Mislead Doctors and Harm Patients

Kategorien: Epidemiologie, Public Health und Sonstige.

Titel: Bad Pharma: How Drug Companies Mislead Doctors and Harm Patients (1. Auflage)
Autor: Ben Goldacre
Verlag: Harpercollins UK
Preis: 13,95 EUR
Seitenzahl: 448
ISBN: 9780007350742
Bewertung:

Inhalt

 

“Bad Pharma: How Drug Companies Mislead Doctors and Harm Patients” heißt das Buch, das Ben Goldacre hier vorlegt. Der Titel allein kann hier zunächst etwas verwirren: Scheinbar vergleichbare Bücher gibt es zuhauf aus Kreisen derer, die der Schulmedizin skeptisch bis komplett abweisend gegenüber stehen. Wer hier allerdings ein Plädoyer für Homöopathie, Akupunktur und andere Alternativmedizin erwartet, wird wohl enttäuscht werden: Der Autor ist Schulmediziner durch und durch, sowie ein großer Verfechter von wissenschaftlich fundierter Diagnostik und Therapie.

 

Umso mehr echauffiert ihn, welcher Hilfsmittel die Pharmaindustrie sich bedient, um möglichst viele teure Medikamente an möglichst viele Patienten verkaufen zu können: Es werden essentielle Daten vorenthalten, klinische Studien fehlerhaft konzipiert, neue, medikamentös zu behandelnde Krankheiten erfunden und Ärzte mit viel Geld und Aufmerksamkeit umworben. All das ist sicherlich vielen Personen bewusst – vermutlich aber nicht der breiten Öffentlichkeit, für die dieses Buch gedacht ist.

 

Aber selbst als vermeintlich kritisch denkender Medizinstudent lernt man hier viel Neues. Der Autor beweist, dass bspw. auch die regulierenden Behörden offensichtlich nicht immer daran interessiert sind, möglichst transparent und im Sinne der Patienten zu urteilen.

 

Didaktik

 

Dass Ben Goldacre viel von Wissenschaft hält, merkt man ihm auch beim Schreiben an: Alle Behauptungen werden mit dem Verweis auf durchgeführte Studien belegt, die im Anhang nachzuschlagen sind.

 

Einziges Manko des Buches ist leider, dass es teilweise etwas hektisch geschrieben wirkt. Dadurch wiederholt sich Goldacre oftmals, was das Ganze streckenweise etwas langatmig macht. Gelegentlich wäre etwas weniger mehr gewesen.

 

Preis/Leistung und Fazit

 

Was man als Leser dieses Buches mitnimmt, hängt wohl stark von der eigenen medizinischen Vorbildung ab: Der Durchschnittsleser ist vermutlich geschockt, eventuell in eigenen Vorbehalten gestärkt und sicherlich auch verunsichert. Woher soll er oder sie wissen, ob der eigene Arzt wirklich das Beste  für ihn oder sie tut – wenn der Arzt es nicht einmal selber so genau weiß?

Anders sieht die Sache aus, wenn man selbst aus dem medizinischen Sektor kommt. Für Ärzte (und Studenten) können die rund 370 Seiten Text nichts anderes sein als ein Appell – hin zu kritischem Denken, zur Erinnerung an die eigene Verantwortung gegenüber den Patienten und vor allem hin zur evidenzbasierten Medizin.

Für rund  14€ kann man mit diesem Buch überhaupt nichts falsch machen. Kaufempfehlung für jeden Medizinstudenten!