Bessere Ärzte, bessere Patienten, bessere Medizin – Aufbruch in ein transparentes Gesundheitssystem

Kategorien: Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin.

Titel: Bessere Ärzte, bessere Patienten, bessere Medizin – Aufbruch in ein transparentes Gesundheitssystem (1. Auflage)
Autor: Gerd Gigerenzer, J.A. Muir Gray (Hrsg.)
Verlag: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
Preis: 39,95 EUR
Seitenzahl: 388
ISBN: 9783941468825
Bewertung:

Inhalt

Die Herausgeber des Werks Prof. G. Gigerenzer und Prof. Sir J. A. Muir Gray wollen auf die Missstände („Mängel“) im Gesundheitssystem und der Pharmaindustrie aufmerksam machen und durchleuchten kritisch einige Verhaltensweisen, die zur Routine geworden sind und durch die Entscheidungsträger im Gesundheitswesen nicht richtig erkannt werden. Der Patient, der durch seine Beschwerden dem Arzt anvertraut ist, werde durch das System zu einer Marionette und dem Leidtragenden.

Dabei gehen die verschiedenen Autoren zuerst auf die Rolle des Patienten ein: Sie beleuchten die Wichtigkeit der Informiertheit des Patienten und gehen auf Modelle wie der partizipativen Entscheidungsfindung ein.

Die Autoren identifizieren „mangelnde Gesundheitskompetenz“ als eine der größten Herausforderungen und unterteilen ihre Argumentation in zwei wesentliche Themengebiete: Ursachen in der Forschung und die Informierung der Öffentlichkeit. Dabei kritisieren sie die mangelnde Objektivität medizinischer Fachzeitschriften oder mangelnde Statistikkompetenz bei Journalisten.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt des Buches ist ein Ausblick mit Lösungsvorschlägen für ein Gesundheitssystem im Jahre 2020. Viele wichtige Anknüpfungspunkte seien eine evidenzbasiertere Medizin und Ausbildungsreformen.

Dabei werden viele Vergleiche zum Gesundheitssystem im angelsächsischen Raum gezogen und die enge Verflechtung zur Pharmaindustrie kritisiert.

Didaktik

Allem voran sei gesagt, dass das vorliegende Werk eher als Fachbuch als als Lehrbuch angesehen werden muss. Daher gestaltet sich die Bewertung der Didaktik als schwierig.

Die Autoren geben viele Beispiele aus dem Praxisalltag und verweben diese Beispiele mit Vergleichen aus anderen Gesundheitssystemen. So können sie Unterschiede klarmachen und Positives wie Negatives hervorheben.

Die einzelnen Kapitel sind sehr gut gegliedert: Zuerst werden die Themen erläutert mit Fakten und anschließender Kommentierung und dann werden daraus als Fazit Schlussfolgerungen abgeleitet. So bleibt das Erläuterte nicht im luftleeren Raum stehen, sondern kann für den Leser verständlich verwertet werden.

Preis/Leistung und Fazit

Da das Buch nicht primär als Lehrbuch angesehen werden kann, fällt der doch hohe Preis von 39,95€ noch einmal härter ins Gewicht. Außerdem deckt das Werk ebenfalls keinen Curriculumsstoff ab. Primär richtet sich das Werk an Krankenkassen und Verantwortlichen im Gesundheitssystem. Dennoch ist es aber auch etwas für den kritischen Medizinstudenten, der seinen Horizont auch außerhalb des regulären Lernstoffes erweitern möchte. Bei Interesse am Thema also unbedingt empfehlenswert.