Blickdiagnostik: Kompaktatlas der klinischen Inspektion und Differenzialdiagnostik

Kategorien: Allgemeinmedizin, Examensvorbereitung und Innere Medizin.

Titel: Blickdiagnostik: Kompaktatlas der klinischen Inspektion und Differenzialdiagnostik (4. Auflage)
Autor: Frank W. Tischendorf
Verlag: Schattauer
Preis: 29,95 EUR
Seitenzahl: 422
ISBN: 3794526546
Bewertung:

Inhalt

Der Compactatlas Blickdiagnostik beinhaltet auf knapp 400 Seiten die äußerlich erkennbaren Merkmale verschiedenster Erkrankungen. Dabei geht es natürlich zunächst umfassend um die Haut mit verschiedenen Symptomen und Differenzialdiagnosen. Blasse Haut=Anämie, gelbe Haut=Ikterus ist ja jedem Studenten schnell klar. Das lernen wir ja auch alle x-fach. Aber wie das in der Realität aussieht, ist längst nicht so oft Gegenstand unserer Vorlesungen. Da ist eine Bildersammlung schon ganz schön. Darüber hinaus bietet das Buch aber noch wesentlich mehr: Begleitsymptome, Laborwerte, Pathogenese, Differenzialdiagnosen sind ebenfalls Gegenstand der Textbeiträge. Dadurch kann auch die Einordnung in die Krankheit gelingen.Weiter geht es mit den generalisierten Pigmentstörungen der Haut, Durchblutungsstörungen, Ifektionen und Strukturdefekten der Haut. Wo auf den allerersten Blick an den Dermatologen gedacht wird, verbergen sich klassische und häufige Erkrankungen aus Kardiologie, Endokrinologie, Neurologie, Pädiatrie und weiteren Fachdisziplinen.Dann folgen die umfangreichen Kapitel zu Haaren, Hauteinblutungen und Gefäßerkrankungen. Hier werden wiederum umfassend die relevanten Krankheitsbilder besprochen. Ödeme und Stauungen – ihrer spezifischen Lokalisation entsprechend eingeteilt – wurde ein kurzes aber wichtiges Kapitel gewidmet.Es folgt der Bereich Schwellungen, in Sinne von Lymphknotenschwellungen, Knoten, Abszessen und soliden Tumoren. Aber auch weitere maligne Erkrankungen wie Lymphome und Leukämien werden behandelt. Hier wird die Schulung des ärztlichen Blickes auf das bloße Äußere des Patienten erweitert, nämlich um die mikroskopische Aspekte hämatologischer Erkrankungen.Das Kapitel Bewegungsapparat umfasst Fehlbildungen, Arthritiden und Fehlhaltungen sowie ihre Einteilung (z.B. des rheumatoiden Formenkreises).Neurologische Ausfallerscheinungen werden knapp aber mit eindrucksvollen Bildern abgehandelt. Der Umfang ist aber einem Übersichtswerk wie diesem durchaus angemessen.Ein ebenfalls kurzes aber ergiebiges Kapitel zu sichtbaren Veränderungen der Augen öffnet dieselben für die Tatsache, dass nicht nur Augenärzte hier von intensiverer Beobachtung profitieren können.Die letzten beiden großen Kapitel behandeln endokrinologische und metabolische Erkrankungen.

Didaktik

Der Kompaktatlas Blickdiagnostik ist nicht nur ein Atlas. Er erinnert vom Aufbau eher an die Thieme-Taschenatlanten. Auf einer Doppelseite finden sich rechts die Bildbeispiele und links der entsprechende Lehrtext. Dieser bietet wirklich viele wichtige Informationen wie Begleitsymptome, Differenzialdiagnosen und auch Schwierigkeiten bei der Einordnung und Bewertung der Symptomatik. Darüber hinaus bieten Tabellen Hilfestellung bei der Differenzierung von Symptomen oder Krankheiten. Das macht das Buch zu einem sehr informativen Begleiter in der Kitteltasche(da passt er in der Tat rein, wenngleich man für hinreichendes Gegengewicht in der Tasche auf der anderen Seite sorgen sollte;-)

Ein wenig befremdlich erscheint auf den ersten Blick die Einteilung: die Kapitel sind nicht gleichförmig gegliedert: die ersten Kapitel sind mit der Symptomatik betitelt (z.B. gelbliche Haut) und dann nach Krankheitsentitäten untergliedert während später die Ätiologie titelgebend ist (z.B. Endokrinologische Erkrankungen). Natürlich ist die erste Version wünschenswerter, da man ja nach Symptomen blättert und nicht ein Symptom zu einer Krankheit sucht. Dass dies nicht über das ganze Buch durchgehalten wurde, ist nicht verständlich, mindert die Qualität des Werkes allerdings nicht großartig.

Schwerwiegender ist die Kompression des unglaublichen Menge Wissens auf wenig Raum, der das Buch kaum lesbar macht – im Sinne von „Sich hinsetzen und lesen“. Natürlich ist ein Kompaktatlas keine Prosa-Publikation. Dennoch bleibt letztendlich nur die Empfehlung das Buch als Nachschlagewerk zu nutzen. Denn um tatsächlich Blickdiagnostik daraus zu lernen, sind auch zu wenig Beispielbilder pro Krankheit darin enthalten. Hier würde sich möglicherweise ein Online-Archiv mit weiteren Bildern anbieten, damit die Charakteristika klarer „herausgeschaut“ werden können. Diese Charakteristika sind im Buch zwar oft sehr eindrucksvoll. Jedoch sind es ja in der Praxis selten die eindrucksvollen Symptome, sondern die feinen Hinweise, die die Blickdiagnostik so wichtig machen. Ein wirklich mächtiges diagnostisches Werkzeug wird dieses Kompaktversion wohl vor allem mit seinem großen Bruder „Der diagnostische Blick“(auch Schattauer, 99,00€) sein.

Preis/Leistung und Fazit

Als Fazit bleibt trotz obiger Einwände ein umfassendes Werk, das jeden Besitzer, der klinisch tätig ist bzw. zu sein beginnt, lange begleiten wird. Und selbst dem Studenten, der sich regelhaft fragt „wie sieht denn das jetzt aus, wovon ich da gerade gelesen hab?“ bietet das Buch viele eindrucksvolle Bildbeispiele und eine Motivation sich selbst als Diagnosewerkzeug zu begreifen und nicht nur als „Befund-Puzzler“.

Für 29,95 ein sehr umfangreiches und umfassendes Buch, das Klinik und Studium (aber nicht Klausurvorbereitung 😉 bereichert.