Braintertainment

Kategorien: Sonstige.

Titel: Braintertainment (1. Auflage)
Autor: Manfred Spitzer et all.
Verlag: Schattauer
Preis: 29,95 EUR
Seitenzahl: 232
ISBN: 3794525159
Bewertung:

Inhalt

“Hirnforschung ist viel zu spannend, um sie dem Elfenbeinturm zu überlassen.” und “Ein vergnügtes Gehirn lernt besser als ein angestrengtes.”: Mit diesen beiden Prämissen machten sich Manfred Spitzer, Ordinarius für Psychiatrie an der Universität Ulm, Lernforscher und Autor zahlreicher, erfolgreicher, populärwissenschaftlicher Publitkationen, sowie Wulf Bertram, ebenfalls Psychiater und verlegerischer Geschäftsführer des Schattauer Verlages, in dem “Braintertainment” erschienen ist, daran die Begeisterung für die “Hirnforschung” mittels “Expeditionen in die Welt von Geist und Gehirn”, wie es im Untertitel heißt, zu wecken.Dahingehend sind die Vorraussetzungen für ein gelungenes Buch relativ gut. In vierzehn Essays nehmen 18 verschiedene Autoren den Leser mit auf eine individuelle Reise in die Welt unseres Gehirns. Dementsprechend steht zu Beginn der Lektüre der Blick in das ausführliche Autorenverzeichnis am Ende des Buches an. Hier werden Erwartungen generiert: Neben den beiden Herausgebern beteiligten sich wissentschaftliche Größen, wie Brendan Maher und Gerhard Roth, aber auch die “Titanic”-Mitbegründer Robert Gernhardt und Friedrich-Karl Wächter, sowie der Neurologe und Kabarettist Eckart von Hirschhausen mit einem Epilog an der Sammlung von Einblicken in unseren Kopf und der Wege dorthin.Nun richtet sich der Blick auf die einzelnen Beiträge, die so unterschiedlich sind, wie ihre Verfasser. Zu Beginn eröffnet Wulf Bertram dem nicht vorgebildeten Leser mit einer kleinen Einführung in die Neuroanatomie das Verständnis für das behandelte Organ. Es schließen sich Betrachtungen zu speziellen Abschnitten und Funktionen, etwa dem Riechsinn oder der Amygdala, aber auch der Terminologie und der Historie der Hirnforschung an. Inhaltlich wird so ein breites Spektrum an behandelt Themen geschaffen. Dabei handelt es sich vornehmlich um Randgebiete der Forschung, die jedoch in ihrer Darstellung im Text den Leser für sich gewinnen können. So etwa, wenn Erkenntnisse der “Glücksforschung”, die gegenüber der “Angstforschung” lange nicht dieselbe wissenschaftliche Popularität genießt, erläutert werden.Schlussendlich fast Eckart von Hirschhausen die einzelnen Artikel im Epilog nochmal humorvoll zusammen und betrachtet die “Ouint-Essenzen”.

Didaktik

Hier sollte man klarstellen, dass es sich bei “Braintertainment” nicht um ein Lehrbuch für die Neurowissenschaften oder ähnliches handelt. Die beiden Herausgeber richten sich vornehmlich an die breite Öffentlichkeit, der sie die Hirnforschung schmackhaft machen wollen, was ihnen in der Auswahl der Essays meiner Meinung nach nur teilweise gelingt, da mancher Autor doch stark in seiner wissenschaftlichen Ausdrucksweise verhaftet ist und gewisse Texte mit großer Detailschärfe gelegentlich schwer zu lesen sind oder ermüdent wirken. Die Texte der Herausgeber und es Großteils der Autoren haben dieses Problem allerdings nicht. Gerade die Texte von Manfred Spitzer sind ein Feuerwerk an Einblicken für jeden Leser.Gerade wegen der inhaltlichen und text-strukturellen Vielfalt des Buches ist ein didaktisches Konzept jedoch unabdingbar und wird in diesem Buch auch geboten. Eine Betrachtung des Inhaltsverzeichnisses gibt hier den ersten Hiweis. Vorangestellt ist ein Vorwort, dass Begeisterung weckt und daran erinnert, dass das gesamte Buch diesen Zweck verfolgt. Wulf Bertram gibt dem Leser anschließend sinnvollerweise einen Überblick über die anatomischen Strukturen. Es folgen Texte zur Terminologie und Historie und anschließend die Abhandlungen zu speziellen Teilbereichen. Die Strukur ist gelungen und fasst inhaltlich zusammengehörige Texte zusammnen. Am Schluss steht ein Epilog des Kabarettisten von Hirschhausen, der alles nochmal zusammenführt und Texte, die einer Erläuterung bedürfen erhalten diese im Vorraus.Da alle Texte nur einen kleinen Einblick liefern und vornehmlich das Interesse des Lesers wecken sollen ist für den Fall, dass dies gelingt, jedem Artikel ein Verzeichnis mit “Literatur-Empfehlungen” angehangen. Diese sind sehr ausführlich und teilweise im Text bereits erwähnt und behandelt. So kann jeder noch tiefer in die jeweilige oder gesammte Materie einsteigen und sich mit populär- und wissenschaftlichen Texten auseinandersetzen.Zu guter Letzt ist auf die Gestaltung der einzelnen Artikel einzugehen. Hier ist hervorzuheben, dass die meisten davon nur Text enthalten. Wenige, insbesondere zu Beginn, nutzen Abbildungen, meist schwarz-weiß, selten auch mit roten Kennzeichnungen. Im Grunde ist dieses Schema allerdings auch angebracht, da die Texte vom Lesefluss leben.

Preis/Leistung und Fazit

Folgt nun die Abrechnung: 29,95 € verlangt der Schattauer-Verlag für dieses 230 Seiten starke Lesebuch im DINA5-Format aus dem Jahr 2007, das den Anschein erweckt es wäre aus den frühen 90ern des 20. Jahrhunderts. Hier klärt sich nun die Frage des Medizinstudenten: Buch kaufen oder nicht? – und meine Antwort auf diese Frage kann angesichts des Preises nur lauten: Nein! Selbst ein interessierter Nicht-Mediziner sollte sich eine Anschaffung gut überlegen, denn nicht alle Texte sind leicht allgemeinverständlich, für vieles sind gewisse Grundlagen von Vorteil. Zwar ist das Buch durchaus interessant und kann sicherlich für die Hirnforschung begeistern, ich las es beispielsweise nach meinem Neuroanatomie-Testat und konnte so das bereits entstandene Interesse zu einer Begeisterung erweitern, aber das Konzept des Buches, einzelne Essays zusammenzufassen und um geringfügig zu ergänzen, steht für mich in keinem Verhältnis zum Preis.Vielmehr handelt es sich hierbei um ein Buch, bei dem es sich lohnt in die Bibliothek zu gehen und es als Freizeitlektüre zu entleihen. Ein Lehrbuch ist es nicht, kann aber sicherlich dafür sorgen, dass man Neuroanatomie und -physiologie mit mehr Begeisterung lernt und andere Lehrbücher “verschlingt”.