Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie: Entscheidungen in der Inneren Medizin

Kategorien: Innere Medizin.

Titel: Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie: Entscheidungen in der Inneren Medizin (1. Auflage)
Autor: Reinhard Brunkhorst, Jürgen Schölmerich
Verlag: Elsevier
Preis: 79,95 EUR
Seitenzahl: 503
ISBN: 9783437425011
Bewertung:

Inhalt

Mit diesem Buch versucht der Verlag einen weiteren grauen Fleck auf der Landkarte der Lehrbücher zu erschließen. Es beschäftigt sich im ersten Teil mit dem Weg vom Symptom zu möglichen Differentialdiagnosen (vom Symptom zur Diagnose). Ziel ist es dabei zu vermitteln, wie man Symptome richtig bewertet und daraufhin eine begründete Stufendiagnostik durchführt. Im zweiten Teil geht das Buch auf Therapieschemata und Stufenpläne der im ersten Teil gestellten Diagnosen (von der Diagnose zur Therapie) ein. Diese beiden Teile liefern in Kombination eine überaus interessante und neue Herangehensweise. Gedacht ist das Buch für alle Studenten und jungen Ärzte und soll ein begründetes logisches Vorgehen vermitteln.Im ersten Teil werden 128 Symptome alphabetisch auf jeweils einer Doppelseite dargestellt. Dabei gibt es allgemeinere und auffälligere Symptome wie z.B. Husten, Juckreiz, Fieber oder Gewichtsverlust die prompt bei der Anamnese ins Auge fallen würden aber auch speziellere wie z.B. Leberherd oder Transaminasenerhöhung.Im zweiten Teil werden dann die Therapiestufen zu 109 Diagnosen aufgezeigt. Ebenfalls alphabetisch sortiert tauchen alle wichtigen Diagnosen von Akromegalie bis Wurzelkompressionssyndrom auf.

Didaktik

Didaktisch ist das Buch nach dem 2-Seiten-Prinzip (eventuell dir bereits bekannt von den Taschenatlanten von Thieme) aufgebaut:Die linke Seite liefert den Fließtext und die rechte den Algorithmus. Dabei ist die Gliederung immer dieselbe: im ersten Teil gibt es zuerst eine Definition des Symptoms. Anschließend einen Abschnitt „Anamnese“ mit den wichtigsten gezielten Fragen an den Patienten bzw. mit Infos die ich benötige um dem Algorithmus auf der rechten Seite durchlaufen zu können. Als nächstes die weiteren Untersuchungen, sei es körperlich, klinisch-chemisch oder sonstige wichtige Aspekte. Zuletzt in tabellarischer Form mögliche DD mit Häufigkeit und weiterführenden Untersuchungen. Im zweiten Teil ist der Fließtext gegliedert nach den wichtigsten Aspekten aus Einteilung, Klassifikation, Formen, Therapie, Komplikation und Behandlung der Diagnosen.Der fließende Text liefert stets durch Zahlen direkte Bezüge zu den Algorithmen und liefert somit eine gute Übersicht. Die wichtigsten Schlagwörter sind durch eine fette Formatierung hervorgehoben. Soweit möglich sind auch Bilder und Grafiken vorhanden.Der Algorithmus liefert eine übersichtliche und klar strukturierte Lern- und Übersichtshilfe. Einigen mag diese Form des „am-Patienten-entlang-hangelns“ eventuell bereits bekannt sein aus den Studienschwerpunkten in anderen Europäischen Ländern. So ist z.B. in Frankreich ein Patienten-begleitender Strukturbaum zur Vermittlung von Krankheiten Gang und gäbe. Da ist das deutsche System bisher eher pathophysiologisch und theoretischer strukturiert und erfährt durch dieses Buch eine ganz neue, klinik-nahe Herangehensweise. Dieses liefert viele Vorteile zum strukturierten Denken, hat aber auch Schwachstellen. Jeder weiß, dass die meistens Sachen „so schön“ wie im Lehrbuch „draußen“ fast nie vorkommen, und da liegt der Kasus Knaxus. Sobald ein multimorbider Patient auftaucht könnte es schwierig werden, seine erlernten Strukturen abzuspulen.

Preis/Leistung und Fazit

Preislich liegt das Buch 40Euro überm Herold und 10Euro oberhalb vergleichbarer, bunter gebundener Innerer Büchern. Da dieses Buch ja eigentlich „nur“ die Herangehensweise der Symptome und Diagnosen umkrempelt und keine neuen Lehraspekte bzgl Pathogenese liefert, wär es bei gleichem Preis das perfekte Add-on zu jedem Innere Buch und für jeden der gerne strukturiert und klinisch arbeiten möchte. Aber gut, 10Euro machen den Kohl ja auch nicht fett 😉Aufgrund der neuartigen Darstellung, der klinisch-strukturierten und am Patienten arbeitenden Algorithmen ist dieses Buch für mich eine Bereicherung zu jedem Inneren Buch.