Fallbuch Neurologie

Kategorien: Neurologie.

Titel: Fallbuch Neurologie (2. Auflage)
Autor: Roland Gerlach, Andreas Bickel
Verlag: Thieme
Preis: 22,95 EUR
Seitenzahl: 318
ISBN: 313139322X
Bewertung:

Inhalt

1. Vorstellung von 95 selbst zu bearbeitenden Fälle (eine Seite pro Fall)2. Kommentierung der jeweiligen Fälle (bis zu fünf Seiten pro Fall)3. Tabellenanhang, Grundlagen, Mini-Mental-Test, Myasthenie-Score etc.Bei dem Fallbuch handelt es sich um ein ganzes Kompendium von Fällen aus der neurologischen (Notfall-)Ambulanz/Praxis, denen sich nur der Student mit entsprechendem Hintergrundwissen (begleitende Vorlesung, PJ, Famulatur etc.) nähern kann. Der inhaltliche Aufbau gliedert sich so, dass in einem ersten Teil auf einer Seite in einer Kurzbeschreibung der Fall vorgestellt wird, man mit kleinen Rückfragen durch die klinische Diagnostik, Differentialdiagnosen und das weitereVorgehen geleitet und auf kleine Besonderheiten hingewiesen wird und zur „Auflösung“ des Falles bwz. der Beantwortung der gestellten Fragen ein Kapitel weiter hinten im Buch gelangt, wo mit Kommentaren, weiterführenden Untersuchungen, Hintergrundinfos etc. auch noch einmal tiefer auf den Fall eingegangen wird.

Didaktik

Eine Realsituation soll damit simuliert werden (auch mit: „Sie werden während der Untersuchung ins Nebenzimmer zu einem Notfall gerufen. Ihr Kollege, der die Patientin weiterbetreute, hat aufgrund der angegebenen „massiven Zunahme der Kopfschmerzen“ ein CT angefertigt.“) Das Lesen macht gerade zu Spaß und behandelt Fälle nie oberflächlich – im Gegenteil: das fachliche Niveau des Buches muss eher als hoch eingestuft werden. Dies macht den Einstieg (1. Fall „medikamenteninduzierte Frühdyskinesie“) nicht unbedingt leicht und schreckt einen fast etwas ab.Anfangs hat man noch das Gefühl eher gar nichts zu wissen und dass das Buch wohl doch eher etwas für Profis bzw. zukünftige Neurologen sei… Eine langsames Heranführen an die Thematik wäre wünschenswert, vielleicht auch Ampel-Einteilung nach Schweregraden, bzw. nach „Häufigem“ und „Seltenem“ unterteilen. bzw. einige „Übungsfälle“, bevor es dann richtig losgeht. So könnte man sich individuell nach eigener Einschätzung eher mit nur ausgewählten Fällen imBuch beschäftigen.Besonders positiv ist zu bemerken, dass eine ausführliche Bewertung der Fälle in Form eines anschließenden Kommentars stattfindet. Hier wird auf Grundlagen und Hintergrundinformationen zu dem Fall bzw. zu dem Krankheitsbild eingegangen.So schließt das Buch auch die Lücke zwischen der theoretischen Vorlesung und dem Klinikalltag, und schafft es, einem das Gefühl für die richtige Einschätzung der Situation zu vermitteln: „Dieser Fall ist häufig – bei plötzlichem Kopfschmerz muss man immer an XY denken! – Diese Symtomkonstellation ist untypisch, kann aber vorkommen!“ etc. Da die Kommentare meist realtiv ausführlich ausfallen, wären für eine Übersicht zum Beispiel besondere Fazit-Boxen oder Merk-Kästen geeignet, die einem nocheinmal in zwei Sätzen zusammenfassen, was das Lernziel desbehandelten Falles war.Einzigen Mängel: Ohne ein Medikamenten-Nachschlagewerk sind die Fälle z.T. kaum zu bewältigen. Damit dient das Buch weniger als Bettlektüre, mit dem man sich mal eben Abends noch einen Fall durchliest, sondern eher als Arbeitsbuch, das man in einer Lerngruppe zusammen erarbeitet. Außerdem sind auf Grund des Formates die Bilder meist sehr klein, die eine Einschätzung der Situation und Befundung der CT- und Röntgenaufnahmen nicht einfacher wird.

Preis/Leistung und Fazit

Das hohe fachliche Niveau ist sehr zu begrüßen, macht den Einstig in die Thematik jedoch nicht leicht. Das Buch ist damit keinesfalls als Lehrbuch für Einsteiger oder Neulinge auf diesem Gebiet geeignet, sondern eher für Studierende, die auch später mit der Thematik auseinandersetzen werden, oder gar für Assistenzärzte der Neurologie, die sich auf ihre Facharztprüfung vorbereiten wollen. Für die 95 Fälle aber weniger als 25 € absolut angemessen.