Heilkunst – Mut zur Menschlichkeit

Kategorien: Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Kardiologie und Sonstige.

Titel: Heilkunst – Mut zur Menschlichkeit (1. Auflage)
Autor: Bernard Lown
Verlag: Schattauer
Preis: 24,99 EUR
Seitenzahl: 320
ISBN: 9783794531257
Bewertung:

Inhalt

Dieses Buch ist in der Reihe „Wissen & Leben“ des Schattauer Verlags erschienen, in der wissenschaftlich renommierte Autoren anspruchsvolle Themen in unterhaltsamer Weise vorstellen. Bevor ich dieses Buch gelesen habe, konnte ich nichts mit dem Namen Lown in Verbindung bringen, vielleicht hatte ich noch eine dunkle Erinnerung an das Kardiologie-Semester und der Einteilung von Herzrhythmusstörungen… aber nur ganz dunkel. Aber darum soll es in diesem Buch gar nicht gehen, viel mehr als der Name des Autors sagt der Titel „Heilkunst“ und insbesondere der Untertitel: „Mut zur Menschlichkeit“. Ich denke jeder von uns Medizinstudierenden hat oder hatte schon mal das Gefühl, dass irgendetwas im allgemeinen Gesundheitssystem schiefläuft. Es klingt vielleicht platt, aber ich bin der Meinung, dass viele angehende Mediziner in der Medizin eine Berufung sehen und mit einem gewissen Maß an Idealismus das Studium begonnen haben. Die heutige Medizin ist aber gefangen im Würgegriff der Ökonomie einerseits und andererseits gibt es eine stetige Entwicklung zur Technologie – mehr Richtung Maschine auf Kosten des Menschen, des Patienten. Dieses Problem sieht auch Bernard Lown: In vielen kleinen Anekdoten seines langjährigen Arztseins beschwört er den Mut zu mehr Menschlichkeit. In den Geschichten wird klar, dass es Mut braucht, um Dinge verändern zu können und man teilweise auch gegen „altbewährte“ Traditionen ankämpfen muss. Es sich aber lohnt. U.a. geht es um Placebo, Zuhören, körperliche Untersuchung, Kardioversion durch einen Faustschlag, tödliche Worte, Überbehandlung und viele mehr – und außerdem nicht so trocken wie meine Aufzählung hier.

Didaktik

Als Sammlung von Essays und Texten aus seinem Online-Blog gibt es hier kein didaktisches Konzept, man könnte es eher als „edutainment“ bezeichnen. Doch seine Wirkung verfehlt es keineswegs, nach Lektüre hat man nicht nur viel über die Geschichte der Medizin – insbesondere der Kardiologie – gelernt, sondern auch Mut getankt für mehr Menschlichkeit. Ein bisschen hat mich die Art und Weise wie dieses Buch geschrieben ist an die Bücher von Oliver Sacks erinnert – die sind auch sehr empfehlenswert – insbesondere für Neurologie begeisterte.

Preis/Leistung und Fazit

Bernard Lown ist ein angesehener Kardiologe, der wie bereits erwähnt für die Klassifikationen der Herzrhythmusstörung Namenspate steht und u.a. den Defibrillator erfunden hat. Wie ein roter Faden zieht sich seine Idee von Menschlichkeit und Engagement durch sein Leben und macht auch nicht nach der Verleihung des Friedensnobelpreises als Mitbegründer der IPPNW halt. Wer wissen will, was dieser „große“ Arzt (und übrigens auch Erzähler) zu Themen und Problemen der Medizin denkt und einen Mutmacher braucht – ob fürs Studium oder den Arztberuf – der sollte dieses Buch lesen.

Ich bin sowieso der Meinung gute Geschichten sind unbezahlbar!

P.S. Dieses Buch ist der Nachfolger des Buchs: Die verlorene Kunst des Heilens (auch von Bernard Lown) – Ich kann dies noch nicht bewerten: Ich habe es noch nicht gelesen, werde es aber bald tun.