Humanitäre Hilfe und staatliche Souveränität

Kategorien: Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Medizinrecht, Notfallmedizin, Public Health und Sonstige.

Titel: Humanitäre Hilfe und staatliche Souveränität (1. Auflage)
Autor: Joachim Gardemann (Hrsg), Franz-Josef Jakobi (Hrsg), Bernadette Spinnen (Hrsg)
Verlag: Aschendorff
Preis: 30 EUR
Seitenzahl: 269
ISBN: 2147483647
Bewertung:

Inhalt

Das gemischt deutsch-englische Buch der drei Herausgeber Gardemann, Jakobi und Spinnen gliedert sich in mehrere Bereiche:

Nach einer Einführung folgen die Tagungsbeiträge des 1. Münsterschen Kongress zur Humanitären Hilfe vom 20. Mai 2011 und deren Podiumsdiskussion. Eine Zusammenfassung und Ausblick schließen diesen Teil des Buches ab. Danach folgen sogenannte „Vorbereitende Vorlesungen“ und ein ausführliches Interview mit Senator Roméo Dallaire (Kanada), dem ehemaligen Kommandanten der UN Truppen in Ruanda in 1994.

Wie diese Auflistung zeigt, geht das Buch weiter als eine reine Tagungssammlung zu sein. Dies ergeht schon aus dem 30 seitigen Literaturverzeichnis, das den 230 Seiten Inhalt des Buches folgt. Das Buch ist streng wissenschaftlich geschrieben und die Tagungsbeiträge sind um wichtige Zitationen und Quellen erweitert. Die Autoren sind ein bunt gemischtes Volk, was den überdurchschnittlichen interdisziplinären Charme des Buches ausmacht: Philosophen, Ethiker, Juristen, Historiker und Mediziner, Militär sowie Politiker haben gemeinsam an dem Buch mitgewirkt, dass sich mit der Gratwanderung zwischen Nationalstaatlicher Souveränität und der „responsibility to protect- R2P“ beschäftigt. Während viele Beiträge Denkanstöße liefern, findet man mitunter auch eine Menge von Analysen zu bisherigen Scheitern der internationalen Gesellschaft als auch weniger positiver Ausnahmen, und Vorschläge für ein besseres Vorgehen in der Zukunft.

Das Thema der responsibility to protect ist nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Geschehnisse in Mali und in Syrien aktueller denn je. In dem vorliegenden Buch wird deutlich, dass Wähler und Politiker den „Will to Intervene“ unbedingt und im eigenen Interesse auf die Tagesordnung bringen müssen. Warum das geschehen muss und wie das beispielsweise geschehen könnte sind zwei Kernfragen vieler Beiträge in dem Kompendium.

 

Didaktik

Da dieses Buch mitnichten ein reguläres Lehrbuch ist, ist eine explizite Analyse der Didaktik obsolet. Es sei jedoch angemerkt, dass das Buch ein gutes Beispiel für saubere wissenschaftliche Schreibarbeit darstellt. Zusätzlich sind die, mitunter verschiedene Stoßrichtungen vorweisenden Inhalte, in passender Weise geordnet und sortiert.

 

Preis/Leistung und Fazit

Die knapp 30€ begründen sich höchstwahrscheinlich aus der sehr hochwertigen Machart des Buches selbst und der wahrscheinlich eher niedrigen Auflage. Nicht zuletzt die gesammelte Expertise und Interdisziplinarität verleiht dem Buch und den enthaltenden Vorschlägen die nötige Glaubwürdigkeit. Aus diesem Grund ist der Preis, wenn auch etwas hoch, sicherlich noch gerechtfertigt. Wer die spannende Frage von humanitärer Hilfe versus staatliche Außenpolitik sowohl ethisch, historisch, militärtaktisch und medizinisch näher beleuchten will, dem sei diese Lektüre ans Herz gelegt.