Interessenkonflikte in der Medizin

Kategorien: Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Medizinrecht und Sonstige.

Titel: Interessenkonflikte in der Medizin (1. Auflage)
Autor: Klaus Lieb, David Klemperer und Wolf-Dieter Ludwig
Verlag: Springer
Preis: 59,95 EUR
Seitenzahl: 300
ISBN: 9783642198410
Bewertung:

Inhalt

„Hintergründe und Lösungsmöglichkeiten“ verspricht das u.a. von Klaus Lieb herausgegebene Buch – und in der Tat gibt es in der deutschsprachigen Literatur momentan wohl keine bessere Möglichkeit, um sich schnell einen solch umfassenden Überblick über den Themenkomplex Interessenkonflikte zu verschaffen. Die Autoren beginnen quasi bei Null, der Definition des Begriffs – wohlwissentlich, dass Missverständnisse hier zu einer ablehnenden Einstellung gegenüber dem ganzen Thema führen können („Ich bin doch nicht korrupt!“). Auf psychologische Mechanismen, welche das eigene Urteil beeinflussen können, wird eingegangen;  auch ethische sowie rechtliche Aspekte kommen nicht zu kurz. Anschließend erläutern die Autoren dem Umgang mit Interessenkonflikten: Der Grundsatz der Offenlegung wird erklärt und internationale Konsensempfehlungen werden vorgestellt und diskutiert. Anschließend widmet sich das Buch in separaten Kapiteln detaillierter den Bereichen „Krankenversorgung“, „Aus-, Fort- und Weiterbildung“ sowie „Forschung“, stellt spezifische Probleme dar und gibt einen Überblick über Lösungsvorschläge.

Didaktik

Das Buch ist – angesichts des potenziell trockenen Themas – sehr flüssig zu lesen und gut strukturiert. Es gelingt den Autoren, die abstrakt scheinenden Gefahren von Interessenkonflikten durch reale Beispiele und Studien zu konkretisieren, so dass ich gerne weitergelesen habe. Desweiteren überzeugt der sachliche Tonfall, welcher ein wissenschaftliches Fachbuch auszeichnet: Man hätte das Thema sicherlich polarisierender und damit „spannender“ präsentieren können – um den Preis, dass mancher potenzielle Leser das Buch sofort wieder aus der Hand gelegt hätte, weil er sich angegriffen fühlen würde.

Die Kapitel sind jeweils von unterschiedlichen Autoren verfasst und die Mischung aus ärztlichen, ethischen, rechtlichen Perspektiven schadet dem Buch inhaltlich keinesfalls. Gelegentlich hätte man sich eine etwas strengere kapitelübergreifende Schlussredaktion gewünscht, wenn einem etwa in jedem Kapitel erneut die Definition eines Interessenkonfliktes präsentiert wird: Gut für Leser, die gezielt nur einzelne Kapitel anspringen, aber beim Durchlesen wird es irgendwann etwas redundant.

Wer Themen des Buches vertiefen möchte, findet am Ende jedes Kapitels ausreichend Angaben zu weiterführender Literatur und relevanten Publikationen.

Preis/Leistung und Fazit

Du interessierst dich für das Problem von Interessenkonflikten in der Medizin und wie sie sich auf uns als angehende Ärzte auswirken können? Und du hast gerade zufällig 60 Euro übrig? Dann würde ich hier auf jeden Fall investieren: Einfacher und umfassender kann man sich momentan nicht in das Thema einlesen. Du hast dafür keine 60 Euro übrig? Hätte mich auch gewundert. Das Buch ist einfach nicht mal entfernt ein studentisches Lehrbuch. Aber: In Münster ist es im Uni-Netz (oder über den VPN-Tunnel) komplett online verfügbar – eine klasse Möglichkeit, einen unverbindlichen Blick auf das spannende Thema „Interessenkonflikte in der Medizin“ zu werfen!