Kein Befund und trotzdem krank?

Kategorien: Psychiatrie/ Psychosomatik.

Titel: Kein Befund und trotzdem krank? (1. Auflage)
Autor: Hausteiner-Wihele, Henningsen
Verlag: Schattauer
Preis: 24,99 EUR
Seitenzahl: 202
ISBN: 9783794530823
Bewertung:

Inhalt

Das Buch „Kein Befund und trotzdem krank?“ beschäftigt sich ausführlich mit der großen Gruppe von Patienten mit Körperbeschwerden, zu denen sich kein erklärendes somatisches Korrelat finden lässt. Die Autoren Constanze Hausteiner-Wiehle und Peter Henningsen, beide aus dem Fach der Psychosomatik, erläutern die Komplexität des Leidens der Patienten und geben konkrete Tipps, Anregungen und Handlungsvorschläge für den Umgang mit ihnen.

Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert. Der erste Teil „Zum Nachdenken“ liefert zunächst das nötige Hintergrundwissen zum Verständnis des umfassenden Krankheitsbildes, das die Autoren selbst als „nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden“ (NFS) bezeichnen. Er gibt Begriffserklärungen und eine Aufzählung der vielen Diagnosen, die von den verschiedensten Fachrichtungen häufig gestellt werden. Außerdem wird das Dilemma aufgezeichnet, das bei der Fragestellung zu Echtheit oder Eingebildetheit des Krankheitsbildes entsteht, und es wird dafür plädiert die Trennung zwischen körperlichen und seelischen Beschwerden weniger scharf zu vollziehen. Im zweiten Teil des Buches „Tipps für die Praxis“ werden genau diese gegeben. Und das ziemlich konkret. Mit Beispieldialogen, und Fallschilderungen, vielen Tabellen und etlichen konkreten Formulierungsvorschlägen wird dem Behandler ein umfangreiches Rüstzeug für den Umgang mit Patienten mit NFS geboten. Gleichzeitig wird immer wieder erläutert, aus welchen Gründen ein Umgang auf die eine oder andere Art und Weise sinnvoll, oder abzulehnen ist. Die Tipps und Handlungsvorschläge beziehen sich auf die generelle Einstellung gegenüber den Patienten und die Gesprächsführung, sowie auf Herangehensweisen an diagnostische und therapeutische Maßnahmen. Im letzten Teil „Zum Schluss“ wird die aktuell vorherrschende Situation bei der Versorgung von Patienten mit NFS geschildert und Problematiken unseres Gesundheitssystems aufgezeigt. Es werden aber auch Bespiele gegeben, wie die Versorgung in Zukunft besser gehandhabt werden könnte. Schließlich folgen Literaturverzeichnis und ein kurzer Anhang.

Didaktik

Das Buch richtet sich am ehesten an Ärzte, die häufig in Kontakt zu Patienten mit NFS geraten, sowie Hausärzte und Ärzte in Rheuma- oder Schmerzambulanzen, aber auch an alle weiteren Fachrichtungen und interessierte Leser. Die Autoren erhoffen sich, laut ihrem Vorwort, „die Motivation zu vermitteln, dass es sich auch im eigenen Interesse lohnt, sich aktiv um den Umgang mit dieser großen Patientengruppe zu kümmern“. Motivierend ist das Buch tatsächlich geschrieben. Häufig sind die Formulierungen überraschend humorvoll und zwischen den vielen Tabellen und Abbildungen sorgen auch immer wieder lustige Comics für die Auflockerung im  Lesefluss. Die Praxistipps im zweiten Teil des Buches sind sehr verständlich formuliert und gehen auch auf ganz grundlegende Dinge ein. Manchmal sogar so sehr, dass man sie als Selbstverständlichkeiten schon fast überlesen möchte. Doch häufig entdeckt man sich selbst oder Kollegen auch in den Schilderungen wieder und kann so schnell einen Bezug zur Praxis herstellen.

Preis/Leistung und Fazit

Als Geleitbuch, oder zwischenzeitliche Lektüre, für Ärzte, die im Umgang mit häufig als schwierig empfundenen Patienten mit NFS nicht aufgeben möchten, halte ich das Buch als sehr geeignet. Mit knapp 25,- Euro reiht es sich in der üblichen Preisklasse für fachbezogene Taschenbücher dieses Umfangs ein. Dieser Ratgeber für die Praxis hätte von mir fünf von fünf Punkten bekommen, hätte ich das Buch auf einer Homepage für Hausärzte empfehlen sollen. Da ich aber nicht denke, dass es zur Pflicht-Lektüre eines Medizin-Studierenden gehört, muss ich leider einen Punkt abziehen. Für jetzt-schon-Interessierte, oder den späteren Praxisalltag aber durchaus empfehlenswert.