Klinisch-neurologische Untersuchungstechniken

Kategorien: Clinical Skills und Neurologie.

Titel: Klinisch-neurologische Untersuchungstechniken (1. Auflage)
Autor: Peter P. Urban
Verlag: Thieme, Stuttgart
Preis: 69,99 EUR
Seitenzahl: ca. 300
ISBN: 9783131599018
Bewertung:

Inhalt

Das vorliegenden Rezensionsexemplar entstand durch Prof. Peter Urban aus der Asklepios Klinik in Barmbeck (Hamburg) als Herausgeber und der Mitarbeit von Dr. Christian Geber (Universitätsmedizin Mainz) sowie Prof. Frank Thömke. Im Jahre 2012 erschienenen als Erstauflage im Thieme Verlag mit dem Titel „Klinisch-neurologische Untersuchungstechniken“, werden auf knapp 300 Seiten in Grautönen und der Farbe Blau als einzige farbliche Absetzung die „klinisch-neurologischen Untersuchungstechniken von A-Z“ erläutert und vorgestellt, so wie es auf der Rückseite des Einbandes geschrieben steht.

 

Das Buch gliedert sich in vier Abschnitte. Der erste Abschnitt beschäftigt sich auf etwa 15 Seiten mit der Anamnesetechnik. Dort wird unter dem Aspekt der Eigenanamnese auf die Stichpunkte zeitliche Dynamik, Stärke, Lokalisation, Art und Begleiterscheinung, Umstände des Auftretens und deren Beeinflussbarkeit eingegangen sowie unter der Überschrift „Vorerkrankungen“ über Folgen der Beschwerden und Bewusstseinsstörungen. Der zweite von drei Abschnitten ist dem allgemeinen klinisch-neurologischen Untersuchungsgang gewidmet. Der Abschnitt gliedert sich wiederrum in acht Kapitel (Untersuchungsinstrumente; Kopf, Hals, Wirbelsäule; Untersuchung der Hirnnerven; Reflexe; Motorik, Muskeltophik und – tonus; Koordination; Sensibilität und vegetative Funktionen der Haut sowie Psychopathologischer und neuropsychologischer Befund (höhere Hirnleistungen) und ist mit insgesamt 140 Seiten der umfangreichste im Lehrbuch. Der dritte und letzte Abschnitt „klinisch-neurologische Untersuchungstechniken bei ausgewählten neurologischen Erkrankungen und Symptomen“ ist mit knapp 130 Seiten weiteren 8 Kapiteln fast genauso umfangreich wie der vorherige Abschnitt. Hier werden unter den Überbegriffen „Augenbewegungsstörungen; Schwindel, Bewegungsstörungen; Neuromuskuläre Erkrankungen; Schmerz und autonome Dysfunktion; kognitive Störungen; psychogene Funktionsstörungen sowie Untersuchungen bei Bewusstseinsstörungen und klinische Diagnostik bei Hirntod“  sinnvoll gegliederte und gut illustrierte Syndrome erläutert und differentialdiagnostische Hinweise gegeben. Im Buch befinden sich insgesamt 331 Abbildungen laut Titelblatt.

Es schließt sich ein knapp 10-seitiges Stichwortverzeichnis abschließend an.

Didaktik

Beispielhaft werde ich in dieser Rezension mich insbesondere mit dem Kapitel der Hirnnerven (Kapitel 2.3 – Seite 36ff) beschäftigen. Das Kapitel ist sinnhaft in die XII Hirnnerven gegliedert und beginnt bei N. I (olfactorius) mit der Überprüfung des Geruchsempfindens. Dies gestaltet sich im klinischen Alltag in der Regel eher schwierig, so dass sehr gute Hinweise auf Alltagsgerüche gegeben werden und ein validierter Test dort eingeführt wird. Schön wäre auch ein praktischer Hinweis gewesen auf anamnestische Hinweise oder Fragen die man stellen kann um auf eine Anosmie oder Hyposmie hingeführt zu werden, denn in der Realität führt kaum ein Arzt die benötigten acht Sniffin-Sticks® zur Screeninguntersuchung in seiner Kitteltasche. Das 2. Unterkapitel (N. II – opticus) wird sehr anschaulich mit Visustafel, Abbildung und Anleitung zur fingerperimetrischen Gesichtsfelduntersuchung beschrieben, Mit Bedside-Tipps (Kappe einer Atropinampulle als roter beweglicher Punkt) und angegebener Primärliteratur zur Sensitivität der verschiedenen Verfahren. Die ist überaus erfreulich, denn die „evidenzbasierte“ Untersuchung mit standardisierten Verfahren sollte auch in der Neurologie die „Emminenz-basierten“ Verfahren dauerhaft ablösen. Die Verschaltung der Sehbahn mit den verschiedenen Gesichtsfeldausfällen und deren Ursachen ist auf Seite 40 zum Beispiel sehr gut erklärt. Sogar die Fundusuntersuchung wird hier noch erläutert – meiner Meinung nach ein absolut notwendige Untersuchung die ein Neurologe oder neurologisch interessierter Student versuchen sollte so früh wie möglich zu erlernen und routinemäßig in seine Untersuchung mit aufzunehmen. Denn nur in der High-Tech Medizin können wir es uns heute leisten bei Verdacht auf Hirndruck ein Kontroll-CT oder konsiliarisch einen Augenarzt jedes Mal zu Rate zu ziehen.

Preis/Leistung und Fazit

Beginnen wir mal mit dem was negativ hervorsticht. Ein Buch welches 2012 herausgegeben wird könnte ruhig in Farbe sein. Bei den Abbildungen zur Untersuchung machen lebensfrohe Farben doch mehr Spaß bei der Betrachtung – die englischen Bücher die vergleichbar sind, sind dort deutlich schöner illustriert.

 

Trotz des Anscheins, dass aktuelle weiterführende Literatur mit angegeben wird am Ende des Kapitels ist z.B. das Kapitel über den Geschmack in der Form im Buch mittlerweile absolut überholt. Schade, dass in so einem aktuellen Buch die neuen Erkenntnisse keinen Einzug gehalten haben sondern die Zunge weiterhin in Geschmacksfelder eingeteilt wird. In wieweit dort die klinische Relevanz abgebildet wird ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber seit 1982 (das Datum der Publikation aus denen die Autoren Ihre Abbildung genutzt haben) ist dort schon einiges passiert.

 

Insgesamt muss ich aber sagen, dass das Buch ein super Anleitungsbuch ist und für eigentlich alle Studierenden empfohlen werden sollte; denn auch ein zukünftiger Internist sollte in der Lage sein eine neurologische allgemeine Untersuchung durchzuführen (Abschnitt 2). Der dritte Abschnitt ist für alle neurologisch interessierten Studierenden und insbesondere als Vorbereitung auf das praktische Jahr / Stationsfamulaturen und/oder die mündliche Prüfung im Fach Neurologie zu empfehlen. Es handelt sich um ein wirklich herausragendes Buch zumindest bezogen auf den deutschen Buchmarkt. Im angloamerikanischem Bereich gibt es Bücher die noch mehr studierendenfreundich gestaltet sind und sich daher fast besser eignen wenn man gewillt ist auch mal ein Buch auf Englisch zu lesen.

 

Das abschließende 10-seitige Stichwortverzeichnis macht zumindest beim Lesen und Nachschlagen keine Probleme und erscheint ausreichend – da ich das Buch nicht über eine längere Zeit im Klinikalltag genutzt habe kann ich keine Aussage zur Nutzung im stationären Alltag machen.