Kultur der Medizin

Titel: Kultur der Medizin (1. Auflage)
Autor: Manfred Georg Krukemeyer (Autor)
Verlag: Schattauer
Preis: 29,99 EUR
Seitenzahl: 288
ISBN: 9783794528097
Bewertung:

Inhalt

 

Die Vorlesungssammlung „Kultur der Medizin – Spuren, Wege und Ziele“ von Manfred Georg Krukemeyer beschäftigt sich mit der Rolle des Arztes und deren Veränderung im historischen Kontext.

Das im Schattauer-Verlag erschienene Buch basiert auf 13 Vorlesungen, die Krukemeyer seit den 90er Jahren gehalten hat. Der Autor M. Krukenmayer ist Leiter der Paracelsus-Klinikgruppe. Trotz seiner Zugehörigkeit zu einer privat geführten Krankenhauskette propagiert er ein nicht rein auf Gewinnmaximierung zielendes Konzept der Krankenhausprivatisierung: So lehnt er bspw. in einem Interview mit dem Ärzteblatt den Börsengang von Krankenhausunternehmen ab.

Dennoch ist Krukemeyer natürlich quasi von Berufswegen ein Verfechter zunehmender Privatisierung und Profitausrichtung von Krankenhäusern.

Seine Vorlesungen spiegeln diese marktwirtschaftliche Ausrichtung nur sehr unterschwellig wider. Hier zitiert er Philosophen, Studienberater, Anthropologen, Psychologen und präsentiert humanistischen Feingeist. In der ersten Vorlesung „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Medizin?“, deren Titel ja bereits an Friedrich Schiller angelehnt ist, wirbt er unter anderem für ein Studium generale, für eine breitere Ausrichtung des Medizinstudiums, ja sogar dafür, dass man mehr Kommunikation mit den Patienten betreiben müsse. Das passt alles nicht so ganz zusammen!

Didaktik

Auch schwer ist die Sinnigkeit des Buches zu beurteilen: Der Autor widmet sein Buch „Dem unbekannten Arzt, der in selbstloser, stiller Arbeit die Lehren der großen Ärzte verwirklicht, (…)“ Das klingt nun reichlich pathetisch, vor allem in dem Personenkult der dich darin ausdrückt. Wer sind denn diese „großen Ärzte.“ Man könnte jetzt anfangen mit Foucault oder Kuhn zu argumentieren, aber das sprengt hier wohl den Rahmen. Man weiß auch nicht recht, wen man damit anspricht. Sind es jetzt Studenten, die durch dieses Buch quasi auf den Krukemeyer’schen Geist eingeschworen werden sollen oder ist es die Ärzteschaft, die hören soll, dass der Autor ein viel gelesen hat. Ich weiß es nicht und ich weiß auch nicht, ob Dr. Krukemeyer das weiß. Soll ich mir Dr. Krukemeyer als Student jetzt zum Vorbild nehmen und mich einer privaten Krankenhauskette verpflichten vorzugsweise Paracelsus? Übrigens wird der Name der Kette gar nicht erwähnt. Vielleicht möchte Krukemeyer ja als Einzelperson auftreten oder er will, dass der Leser das (wie ich es getan habe) googelt. Das wäre Understatement par excellence.

Ich könnte mich jetzt in Verschwörungstheorien verlieren. Stattdessen zähle ich aber lieber noch ein paar harte Fakten auf.

Das Buch hat 245 Seiten und davon 40 Seiten Literatur-, vor allem aber Personenverzeichnis mit Kurzbiographien. Es ist nicht bebildert und enthält ausschließlich Text. Es ist ein Hardcover und relativ schwer.

Verwirrend beim Lesen sind die eingeflochtenen Gedichte, bei denen es mir vorzustellen sehr schwer fällt, wie sie in einer Vorlesung platz gefunden haben. Es wird weder darauf eingegangen, vor welchem Publikum die Reden gehalten wurden, noch mit welchem Habitus und Impetus. Das ist meiner Meinung nach ein Manko und widerspricht der Geschichtsbeflissenheit des Buches ebenso wie der Personenkult, der sich bspw. in der Widmung spiegelt

 

Preis/Leistung und Fazit

Was ist denn nun los? Ist Herr Dr. Krukemeyer nun ein moderner Krupp, der seinen untergebenen Ärzteschäflein schöne Arbeiterwohnungen baut oder ist er doch ein Heuschreckenkapitalist von der biblischen Sorte?

Ich weiß es nicht und ich hoffe, ich finde es nie heraus. Das Buch kann ich Studenten nur sehr eingeschränkt empfehlen. Sicher ist die Person Dr. Krukemeyer sehr kontrovers zu sehen und seine Persönlichkeit und Laufbahn, sofern sie sich in diesem Buch spiegeln, sind sicher hochkomplex. Wenn er eine echte Rede halten würde, würde ich wohl interessehalber hingehen.