Medizinische Psychologie und Soziologie

Kategorien: Medizinische Psychologie.

Titel: Medizinische Psychologie und Soziologie (3. Auflage)
Autor: H. Faller, H. Lang
Verlag: Springer
Preis: 24,95 EUR
Seitenzahl: 362
ISBN: 3642125832
Bewertung:

Inhalt

Wenn man ehrlich ist, ist Medizinisch Psychologie und Soziologie eines dieser Fächer, die man eigentlich erst zum Physikum hin lernt und dann, wegen der kurz bemessenen Zeit und des leider häufig auch geringen Interesses, meist bloß mit Medilearn. Als wäre das nicht genug, reicht die Medilearnlektüre auch noch mindestens für gesunde 80 – 85 %. Genug um einem die eins nicht zu vermasseln oder einen auf eine 2 hochzuziehen. Es stellt sich also von vornherein eine gewisse Sinnfrage. Warum mehr Zeit als nötig investieren? Antwort: Das Fach macht vielleicht Spaß, wenn man es nicht nur in der bewährten „Hier kommt die Maus“- Medilearnsprache aufgetischt bekommt.

„Dann kann man ja auch mal etwas länger brauchen; aber höchstens Kurzlehrbuchlang!“ denkt sich da der effiziensbetonte Stud. Med.. Das Springer Buch „Medizinische Psychologie und Soziologie“ von Faller und Lang sieht zumindest wie ein Kurzlehrbuch aus; mit seinem Soft-Cover und der geringen Dicke. Aber schon wer es aufhebt, merkt, dass da was nicht stimmen kann: Tatsächlich ist es nämlich relativ schwer und das liegt an den vielen dünnen Seiten, derer es 362 besitzt. Dennoch: Wenigstens handlich und transportabel wird es.

Außerdem ermöglicht die gute Strukturierung, auf die ich später noch einmal eingehen werde, eine leichte Navigation durch die einzelnen Themen.

Was das Buch Medilearn und auch dem Thieme-Kurzlehrbuch voraus hat, ist das Verständnis für das Fach und auch der Blick über den Tellerrand. Wo die anderen beiden Bücher der Kürze wegen sparen, gibt dieses Buch immerhin kleinere Einblicke unter die Kruste der 0815-Wissens. Nur so kann aber meiner Meinung nach überhaupt echtes Interesse am Fach geweckt werden. Besonders in solchen Fächern wie Med. Soziologie und Psychologie, die ja manchmal unter dem Ruf stehen, man könne die Fragen schon mit einem halbwegs intakten Wernicke-Zentrum richtig beantworten, zeigt einem dieses Buch, dass aus uns Akademiker gemacht werden und nicht Kassettenrekorder, die Wissen abspulen können. Das sticht z.B. in dem Kapitel über soziologische Krankheitsmodelle hervor, das ein Paar interessante und für mich zumindest neue Fakten über Globalisierung und Überbevölkerung aus medizinischer Sicht enthält.

 

Didaktik

Das Buch gliedert sich in sich in Oberthemen, die sich auf den ersten Blick etwas verwirrend nicht nach eher psychologischen und soziologischen Themen aufteilen sondern „Entstehung und Verlauf von Krankheiten,“ „Ärztliches Handeln“ und „Förderung und Erhalt von Gesundheit.“

 

Erst die elf Unterkapitel behandeln dann entweder ein Psychologisches oder ein soziologisches Thema. Am Ende jedes dieser Kapitel gibt es dann eine Stichwortsammlung mit den wichtigsten Wörtern aus diesem Abschnitt. Das ist sehr hilfreich, denn wenn man kann sich z.B. ein kleines Vokabelheft anlegen, und so die wichtigsten Punkte schnell auswendig lernen.

 

Auch die Sprache ist eindeutig ein Pluspunkt des Buches. Sie erscheint teilweise fast anekdotenhaft, bleibt aber stets sachlich und ausführlich. Manchmal, etwa bei dem schon allein des Themas wegen happigen Statistikkapitel, hätten ein Paar Beispiele nicht geschadet. Gerade darin ist z.B. das Medilearnheft besser.

 

Preis/Leistung und Fazit

Ich würde jedem dieses Buch empfehlen, der sich ein wenig für den Nicht-naturwissenschaftlichen Teil des Medizinstudiums interessiert. Ebenso allgemein Politik-interessierte werden an den soziologischen Teilen des Buchs ihren Spaß haben.

 

Wer schnell lernen will, dem rate ich eher ab. Wer aber auf Langzeit lernen will, der sollte es sich ebenfalls zulegen. Medizinische Psychologie ist vielleicht ein sehr intuitives Fach, aber mit ein wenig Wissen kann man bestimmte allgemeine Prozesse schneller beim Patienten und bei sich selbst erkennen, was auf jeden Fall die Arzt- Patientenkommunikation verbessert und einem wahrscheinlich sogar den Arbeitsalltag erleichtert, weil man bestimmte Verhaltensweisen besser interpretieren kann.

 

Medizinische Soziologie geht auf jeden Fall uns alle etwas an. Wir haben als zukünftige Ärzte die Aufgabe trotz ungünstiger werdender finanzieller Lage eine möglichst gerechte medizinische Versorgung für alle zu gewährleisten. Ein etwas tieferes Verständnis der soziologischen Grundlagen auf denen diese Versorgung basiert, wird uns dabei helfen.