Mind & Body: Wie unser Gehirn die Gesundheit beeinflusst

Kategorien: Allgemeinmedizin, Medizinische Psychologie und Psychiatrie/ Psychosomatik.

Titel: Mind & Body: Wie unser Gehirn die Gesundheit beeinflusst (1. Auflage)
Autor: Prof. Dr. Johann Caspar Rüegg
Verlag: Schattauer
Preis: 14,95 EUR
Seitenzahl: 160
ISBN: 9783794527342
Bewertung:

Inhalt

Das 2010 beim Schattauer Verlag in erster Auflage erschienene Buch ist eine Sammlung von 10 Essays, die auf jeweils etwa 10 Seiten Themen der Psychosomatik behandeln.Das Buch ist aus der von Wulf Bertram herausgegebenen Reihe „Wissen und Leben“, die Essays aus der Medizin, Psychologie, Naturwissenschaft und Naturphilosophie dem breiten Publikum verständlich macht.Autor ist der ehemalige Leiter des Physiologischen Instituts der Universität Heidelberg Johann Caspar Rüegg, der sich seit seiner Emeritierung verstärkt mit der Psychosomatik befasst.Die Einleitung gibt einen Einblick über die Entwicklung der Psychosomatik hin von einem unwissenschaftlich als „Organsprache“ bezeichnetem Fach zu einem von der modernen Bildgebung gestützten Fach.Mittels moderner Verfahren ist es heute möglich, die Arbeitsweise des Gehirns darzustellen und somit Ursachen und Lokalisation psychosomatischer Leiden wie chronischer Schmerzen, Angststörungen und Depressionen zu finden. In der Psychotherapie, Denk- und Verhaltensweisen sowie auch in spirituellen Erfahrungen wird die Wirkung zwischen Körper und Geist gezielt ausgenutzt und Veränderungen herbeigeführt, die Geist und Körper beeinflussen.Im Buch wird die neue Psychosomatik biologisch fundiert mit Fachliteratur dargelegt. Dabei schreibt der Autor mit Coautoren über folgende Themen:1. Kapitel: kurzer Abriss über Aufbau und Funktion des Gehirns und seiner einzelnen Teile mit Schwerpunkt auf Emotionen und Emotionsverarbeitung.2. Aufeinander einwirken von Körper und Geist – ganz dem Buchtitel folgend wird erörtert, wie unsere Erlebnisse, Gedanken, Glaube und Gefühle unser Gehirn beeinflusst und verändert sowie umgekehrt das Gehirn unseren Körper, unser Denken und Handeln. Denken und Handeln gleichermaßen bewirkt eine Umstrukturierung des Gehirns. Dies ist mit Lernprozessen mittels LTP (Long Term Potentiation) allgemeine Lerhmeinung und im Curriculum evrankert.3. Wie drücken wir Gefühle aus und wie können wir sie verstehen? Sind Sie angeboren oder erlernt?4. Welchen Einfluss spielen genetische Prädisposition, welchen Stress, frühkindliche Traumata und Erziehung auf die Entwicklung psychischer Erkrankungen?5. Schmerz – Qualität, Wahrnehmung und Verarbeitung6. Einfluss emotionalen Stresses auf das Herz7. Angst-Extinktion? Möglichkeiten und Mechanismen8. Umgang mit Stress9. Stärkung des Immunsystems durch Optimismus und Stressresistenz? Sind Pessimisten öfter krank?10. Heilung durch das Arztgespräch

Didaktik

Es geht weniger um die Vermittlung von Lehrinhalten als um die Schaffung einer neuen Sichtweise auf die Psychosomatik. Lange als reiner Humbug abgetan, früher als „Organsprache“ bezeichnet und vielfach in Redewendungen verarbeitet galt die Psychosomatik nie als ernsthafte Wissenschaft. Dass sie jedoch durchaus als soche zu betrachten ist, wird hier in 10 Essays dargelegt, die die Fachliteratur bis 2009 mit einschließen. Untermauert werden die Annahmen der Psychosomatik heute durchaus glaubhaft mit modernen bildgebenden Verfahren und neuen Untersuchungsmethoden, die Krankheiten wie Depressionen, chronischem Schmerz oder … eine Lokalisation im Gehirn und eine Ursache zuschreiben. Damit wird der Bereich der Mutmaßungen verlassen und der Bereich der wissenschaftlich fundierten Arbeit betreten.

 

Vor allem ist in diesem Buch aber eins zu finden: Literaturhinweise – im Grunde sind alle Essays Denkanstöße, die zum Weiterlesen anregen sollen. Wer sich schonmal mit Hirnforschung insbesondere auf molekularer Ebene (LTD, LTP …) beschäftigt hat, dem wird in diesem Buch nichts Neues geboten.

 

Man könnte auch sagen hier hat ein emeritierter Professor sein ganzes Wissen mit seinem neuen Steckenpferd kombiniert. Gut recherchiert und vielfach belegt ist es für die Fachwelt wenig interessant. Da man als Medizinstudent eher tiefergehend mit der Neurologie befasst ist, scheint einem vieles zu banal, um nicht nur überflogen zu werden. Der medizinisch-naturwissenschaftliche Laie hingegen dürfte das Werk durchaus interessant finden.

Das Buch ist gespickt mit Zitaten und Verweisen und spannt damit den Bogen von der Medizin zur Allgemeinbildung. Dies ist dem Autor hoch anzurechnen.

Ob dies einen Anstoß dazu gibt, dass in Zukunft in Klinik und Praxis die Wirkungen zwischen Körper und Geist gezielt ausgenutzt werden, bleibt abzuwarten. Bis sich das Fach von den Verschmähungen durch die Wissenschaft durch wunderliche Forschungsansätze, zweifelhefte Vertreter und Behauptungen erholt hat und allgemein ernst genommen wird, dürfte noch eine lange Zeit vergehen.

Preis/Leistung und Fazit

Während des Medizinstudiums kommt der Genuss der Literatur häufig zu kurz. Sei es, weil es an der Zeit mangelt oder weil man nach stundenlangem Lernen die Lust fehlt, noch einen Blick in ein studienirrelevantes Buch zu werfen.

 

Dabei sollte man das Studium als allseitig und umfassend gebildeter Mensch beenden. Das ist jedoch nicht das Ziel, welches ein Medizinstudium hat. Durch die Überflutung mit Lernstoff ist ein Großteil der Studenten nach dem täglichen Studium nicht mehr geneigt, sich anderen Themengebieten zuzuwenden, geschweige denn, in der Studienliteratur außerhalb des Curriculums selbstständig neue Wege zu beschreiten und sich z.B. mit dem Thema Psychosomatik zu beschäftigen.

Aber gerade das sollte man tun. Das für 14,95 Euro erhältliche Buch bietet in kurzen Essays – ideal für die Bahn- oder Busfahrt zur Uni oder nach Hause, als Gute-Nacht-Geschichte oder zum nachdenklichen Entspannen zwischendurch – die Möglichkeit seinen Horizont zu erweitern und es regt zum Nachdenken an. Darüber, ob die Psychosomatik wirklich an wissenschaftlicher Bedeutung gewonnen hat und wie groß diese vielleicht ist und noch werden wird, aber auch zur Systemkritik, nämlich nicht nur den Lehrplan zu befolgen, sondern auch darüber hinaus die vielfältigen Wege der Medizin und Forschung zu verfolgen.