Neu im Klinikalltag – wie junge Mediziner den Einstieg besser meistern

Kategorien: Clinical Skills und Sonstige.

Titel: Neu im Klinikalltag – wie junge Mediziner den Einstieg besser meistern (1. Auflage)
Autor: Kursawe, Guggenberger
Verlag: Springer
Preis: 24,99 EUR
Seitenzahl: 124
ISBN: 9783642449833
Bewertung:

Inhalt

Das Buch „Neu im Klinikalltag – wie junge Mediziner den Einstieg besser meistern“ behandelt geläufige Probleme, mit denen sich junge Mediziner am Beginn ihrer beruflichen Karriere auseinandersetzen müssen. Es wird zunächst eindrücklich geschildert, dass man als approbierter Arzt durch sein Studium zwar ein erhebliches Fachwissen gesammelt hat, dieses aber nicht allein zum erfolgreichen Meistern des Berufsalltages qualifiziert. Zwischenmenschliche, persönliche Kommunikationsstrategien, und das Wissen über eigene Grenzen seien genauso wichtig. Es wird herausgestellt, dass man sich als junger Arzt oder Ärztin plötzlich in weisender Position wiederfindet, obwohl das Studium auf derartige Aufgaben gar nicht vorbereitet. Im Verlauf des Buches werden die o.g. Problematiken anhand einer Vielzahl von Fallbeispielen erörtert. Sie beziehen sich im Einzelnen auf die Schwierigkeiten der Beziehung zwischen Arzt und Pflegepersonal, wo besonders mangelnde Kommunikation die Überwindung des natürlichen Dilemmas, zwischen Weisungsbefugnis auf der einen, und häufig einem Rückstand an Erfahrung und praktischen Fähigkeiten auf der anderen Seite, erschweren kann. Desweiteren werden Probleme im Umgang mit ärztlichen Kollegen, die Unterschätzung der Arbeitsbelastung, die sehr sensible Arzt-Patienten-Beziehung, und der richtige Umgang mit Angehörigen beleuchtet. Auch Schwierigkeiten, die zwischen Arzt und Therapeuten und der Verwaltung auftreten können werden behandelt.

Didaktik

Die Fallbeispiele sind alle in der Ich-Perspektive verfasst, was dem Leser ein Gefühl von Authentizität und Sensibilität vermittelt. Gefolgt wird jedes dieser Fallbeispiele durch einen Kommentar, der meist die zugrunde liegende Problematik beschreibt und analysiert und mehr oder weniger konkret mögliche Strategien zum Umgang mit ähnlichen Situationen gibt. Die ausgewählten Fallbeispiele beziehen sich hauptsächlich auf Situationen, die von Berufsanfängern erlebt worden sind, aber beschreiben teilweise auch Erlebnisse aus Sicht eines Fach- oder Oberarztes. Dies schmälert jedoch nicht ihren didaktischen Wert. Ebenso wenig störend erscheint mir, dass alle Fallbespiele aus dem Fachgebiet der Neurologie stammen. Das zeigt eigentlich mehr, dass es sich hierbei um persönliche Erfahrung der Autoren handelt. Es gibt sowohl Positiv- als auch Negativbespiele. Alle Fälle haben eine gewisse Allgemeingültigkeit und lassen sich einfach auf eine Vielzahl von alltäglichen Krankenhaussituationen spiegeln. Leider stören immer wieder Tipp- und Druckfehler den Lesefluss, die wohl erst in einer Neuauflage behoben werden können.

Preis/Leistung und Fazit

Das Buch ist meiner Meinung nach eine nette Lektüre mit vielen unterschiedlich spannenden Anekdoten aus dem Klinikalltag. Die Fallbeispiele sind zwar so ausgewählt, dass sich wohl jeder junge Mediziner in einer solchen wieder finden wird, leider fehlen mir aber echte konkrete Ratschläge, um die üblichen Fettnäpfchen zu vermeiden, oder Strategien, um sich selbst reflektieren zu lernen um zu überprüfen, inwieweit man sich selbst schon einem der Negativbespiele angenähert hat. Die Kommentare geben bestimmt keine falschen Ratschläge, aber sie sind für meinen Geschmack doch recht vage gehalten, und viele große Aha-Effekte konnten sie bei mir nicht auslösen. Für € 24,99 handelt es sich wohl um einen üblichen Preisrahmen für ein Buch dieser Größe (124 Seiten). Und es wird dem ein oder anderen, der sich auf seinen Berufseinstieg vorbereiten möchte, oder sich in diesem befindet und unsicher fühlt, vielleicht auch weiterhelfen, aber letztendlich denke ich gilt, was die Autoren selbst schon zu Beginn ihres Werkes klarstellen: Das Lernen der Theorie während des gesamten Studiums bereitet eben nur bedingt auf den Berufsalltag vor. Aus diesen Gründen vergebe ich drei Sterne für eine gelungene Sammlung von Alltagssituationen mit Konfliktpotential, die jedoch von zu vagen Ratschlägen kommentiert werden.