Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem

Kategorien: Anatomie.

Titel: Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem (3. Auflage)
Autor: Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher
Verlag: Thieme
Preis: 74,99 EUR
Seitenzahl: 570
ISBN: 9783131395238
Bewertung:

Inhalt

„Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ steht drauf, und genau das ist auch drin. Auf den ersten 100 Seiten erfährt der Anatomie-Neuling alles über den Unterschied zwischen kranial und kaudal, den Aufbau eines Neurons, Ei- und Scharniergelenke und warum in den Lungenarterien venöses Blut fließt. Alles in allem also sinnvolles Wissen, das für das spätere Verständnis unabdingbar ist. Trotzdem kann man erfahrungsgemäß sagen, dass dieser Teil von vielen Studierenden eher weniger genau gelesen wird. Dafür sind die dann nachfolgenden 470 Seiten sicherlich Stoff unzähliger Lese- und Lernstunden. Jeder Knochen, jeder Muskel, jedes Gelenk wird ausführlich dargestellt und erklärt. Ansatz, Ursprung, Innervation, Funktion – alles was das Herz begehrt, bekommt man hier um die Ohren gehauen. Dabei beschränkt sich der Prometheus nicht auf den reinen vorklinischen Aspekt, sondern erklärt häufig auch klinische Sachverhalte, die mit dem jeweiligen Thema in Verbindung stehen. Beispielsweise wird eine Schulterarthroskopie mit den Zugängen, den groben Indikationen und der Lagerung erklärt. Alles immer im anatomischen Kontext und mit ausführlichen Texten und detaillierten Bildern. Gerne werden auch Röntgen, CT- oder MRT-Bilder gezeigt, an denen sich natürlich die vorher gelernten Strukturen gut wiederentdecken lassen.

Didaktik

Die entscheidende Frage bei einem Anatomie-Atlas ist natürlich: Wie sind die Bilder? Zweifellos lässt sich sagen, dass die Grafiken bei diesem Buch des Thieme-Verlags fantastisch sind. Mir sind keine anatomischen Grafiken bekannt, die diesen hohen Detailgrad aufweisen und gleichzeitig so modern aussehen. Nicht umsonst hat sich der Prometheus in relativ kurzer Zeit als Standard-Atlant unter den Studenten etabliert.Der Einsatz des Computers bei Erstellung zahlt sich aus – die Zeichnungen wirken plastisch und gleichzeitig übersichtlich. Auch die dazugehörigen Texte sind prägnant gehalten, sodass man meiner Meinung nach auf ein zusätzliches Lehrbuch verzichten kann – einige Dozenten mögen das anders sehen. Leider kommt selbst der Prometheus nicht ohne Tabellen aus, die dann letztlich doch „stumpf“ auswendig gelernt werden müssen – das liegt in der Natur der Sache.

Da der Prometheus mittlerweile in der dritten Auflage erhältlich ist, sind die meisten „Kinderkrankheiten“ wohl auch ausgemerzt und man kann sich auf die Informationen aus diesem Buch verlassen. Eine Ausnahme (aufgepasst, lieber Thieme-Verlag!) bleibt leider die Zeichnung auf S. 205, hier wurde ein Fehler aus der vorherigen Auflage übernommen. Ansonsten ist und bleibt das Buch ein verlässlicher Begleiter durch die Anatomie und den Präparierkurs. Auch für die Physikumsvorbereitung ist das Buch ideal, werden doch besonders gern topographische Zusammenhänge gefragt. Diese lassen sich mit dem Prometheus sehr gut erkennen und lernen.

Preis/Leistung und Fazit

Mit rund 75€ ist der Preis für den Prometheus sicherlich happig. Zumal diese Ausgabe natürlich längst nicht alles abdeckt: Der Situs und die Gebiete Kopf/Hals und Neuroanatomie warten ebenfalls darauf, vom fleißigen Studierenden gelernt zu werden. Daher muss hier eine strenge Indikationsstellung erfolgen: Rechtfertigt der Inhalt den Preis? Sind die Zeichnungen es wert, so viel Geld auf den Tisch zu legen? Erstaunlicherweise sind sich viele da doch recht einig: Ja, der Atlas ist sein Geld wert. Es sei an der Stelle allerdings noch darauf verwiesen, dass sich gegenüber der zweiten Auflage nicht allzu viel verändert hat. Erfahrungsgemäß fallen die Preise für „alte“ Auflagen immer recht schnell, sodass meine Empfehlung wäre, sich nach einer gebrauchten zweiten Auflage umzusehen. Dennoch ist das Ergebnis eindeutig: 5 volle Sterne, Klassenbester.