Taschenatlas Pathophysiologie

Kategorien: Pathologie.

Titel: Taschenatlas Pathophysiologie (3.. Auflage)
Autor: Silbernagl, Lang
Verlag: Thieme
Preis: 32,95 EUR
Seitenzahl: 427
ISBN: 978-3131021939
Bewertung:

Inhalt

Der Taschenatlas Pathophysiologie hält, was der Klappentext verspricht: den Link zur Klinik. Hier wird erklärt, warum welche Krankheitsentität auf welchem Wege welche Pathologie hervorruft. Wer sich in der Vorklinik häufig gefragt hat, wofür das ganze abstrakte Wissen denn gut sein soll, dem wird hier die Antwort geliefert. Denn tatsächlich lassen sich die meisten Symptome ja pathophysiologisch erklären und damit auch logische Zusammenhänge zwischen ihnen und der hervorrufenden Krankheit herstellen. Dadurch wird auch die Diagnose begründeter und nachvollziehbarer. Ebenso kann die folgende Therapie in ihren Ansatzpunkten verstanden werden, sodass auf einmal logisch wird, warum jetzt dieses Medikament besser geeignet ist als jenes.Die zehn Kapitel bieten einen unfassenden Einblick in die Materie. Das erste behandelt die allgemeine Pathophysiologie von Zellzyklus, zellulärer Signalübertragung, Zelltod und Tumorentstehung. Die folgenden Kapitel beinhalten die Themen Blut, Atmung/Säure-Basen-Haushalt, Niere/Salz-Wasser-Haushalt, Magen/Darm/Leber, Herz und Kreislauf, Stoffwechsel, Hormone und zuletzt Nervensystem/Muskel/Sinne.Dabei wird stets ein Organ im Zusammenhang mit seiner prominenten Funktion besprochen. Zu jedem klinisch relevanten Symptom findet sich die Erklärung der verursachenden Zusammenhänge, sodass der geneigte Medizinstudent, der tiefer in die Vorgänge einer Krankheit blicken möchte, die Möglichkeit dazu ständig in der Kitteltasche bei sich tragen kann.Für den Geschmack des Studenten im klinischen Studienabschnitt, für den Pharma nur eine Hilfswissenschaft ist, wird allerdings häufig sehr tief in subzelluläre und molekulare Sphären vorgedrungen. Dort tauchen dann häufig Enzyme und Transmitter auf, die schon lange vergessen und selten vermisst wurden. Pharmakologen und Vorkliniker können damit wohl noch mehr anfangen. An dieser Stelle wünscht man sich dann vielleicht doch noch einen oder zwei Sätze weniger. An anderer Stelle könnte dafür noch mehr oder differenzierte Klinik kommen.Dass dies (noch?) nicht so ist, ist wohl der Nähe zur Physiologie geschuldet und der Tatsache, dass dafür nicht unendlich Platz ist. Das Buch ist eben nur kitteltaschengroß und -dick. Für noch tiefere Einblicke verweist das Verzeichnis weiterführender Literatur auf zahlreiche Bücher – auch von konkurriernden Verlagen.

Insgesamt aber zeigt die Lektüre so viele Verbindungen zwischen vorklinischen Grundlagen und den klinischen „Anwendungen“ auf, dass man sich ernsthaft fragt, warum Pathophysiologie niemals als eigenständiges Fach gewürdigt wird.

Didaktik

Wer noch keinen Thieme-Taschenatlas kennt: auf jeder Doppelseite findet sich links ein zweispaltiger Text, der die rechts zu findenden Grafiken begleitet und erläutert. Dabei wird hochkomprimiert kurz die Physiologie und die Bedeutung des vorliegenden Themas beschrieben und dann die möglichen Störeinflüsse und Störungen mit den daraus resultierenden Beeinträchtigungen des Organismus.Die didaktischen Ansprüche an ein Buch, dass als Atlas verkauft wird – und dies ist sogar nur ein kleiner – sind prinzipiell nicht besonders hoch. Daher ist man von diesem hier geradezu begeistert, weil es selten Lücken in der Struktur aufweist und dem Leser auch reichlich Querverweise und Erläuterungen bietet. (diese Querverweise verführen allerdings gelegentlich schon dazu vom ursprünglich nachzuschlagenden Thema abzuschweifen und – „wie war das nochmal?“ – durch die Seiten zu blättern)Die Grafiken sind häufig Verständnis fördernd, manchmal dienen sie der Veranschaulichung, des im Text gelesenen. Manche sind einfach zu durchschauen, manche verwirren durch unübersichtliche Pfeil-Urwälder. Aber es hat ja auch niemand behauptet, der menschliche Organismus sei einfach abzubilden – zumal es hier ja um nicht physiologische Vorgänge geht.Die Texte sind sehr knapp gehalten und jedes Wort zählt, sodass aufmerksames Lesen nötig ist, um keine relevanten Details zu verpassen.Trotz des oben bemerkten Vorzugs der Vertiefung der Zellvorgänge vor der ausführlichen Klinik, ist im Buch reichlich klinsch verwertbares zu finden, das die Aufmerksamkeit erhöht und die Sinnhaftigkeit des gelesenen sichtbar macht. So werden beispielsweise vor dem Kapitel zum Bluthochdruck noch einmal die Grundlagen der Blutdruckmessungen (RR und blutig) besprochen.Insgesamt: knapp und informationsträchtig, dafür vollständig und verständlich.

Preis/Leistung und Fazit

33 Euro sind viel Geld für recht wenig Papier, dafür allerdings auch mit ganz viel Wissen. Es ist längst nicht alles klinisch und schon gar nicht physikums-relevant, was drin steht. Aber es erhöht den Spaß an der Medizin ungemein, weil es sie erklärt und nicht bloß ihren prüfungsrelevanten Anteil vermitteltWer Medizin studiert und öfter mal was verstehen will, anstatt bloß auswendig zu lernen, wird an diesem Buch viel Freude haben.