Wahnanalysen

Kategorien: Psychiatrie/ Psychosomatik.

Titel: Wahnanalysen (1. Auflage)
Autor: Thomas Stompe
Verlag: Mwv Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsges.
Preis: 39,95 EUR
Seitenzahl: 204
ISBN: 978-3941468412
Bewertung:

Inhalt

 

„Wahn galt lange Zeit als das Grundphänomen der Verrücktheit, wahnsinnig und geisteskrank als dasselbe. Was Wahn sei, ist in der Tat eine der Grundfragen der Psychopathologie.“ (Karl Jaspers, Allgemeine Psychopathologie) Dieses Zitat von Jaspers leitet den ersten Beitrag von P. Hoff in dem Aufsatzband „Wahnanalysen“ herausgegeben von Thomas Stompe in der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft ein.

Der Wahn als Motiv, Symptom und Thema der psychiatrischen Forschung in verschiedenen Denkschulen, aber auch der Kultur- und Geisteswissenschaften sowie der Medien hat seit seiner Entdeckung wenig an Faszination eingebüßt. Die Heterogenität der Rezeptionsmöglichkeiten legt die Form eines Aufsatzbandes nahe, in der sich verschiedene Autoren, jeweils von Ihren fachlichen Standpunkten aus, der Thematik widmen.

Dabei kommen in den Texten sowohl ältere Modelle wie von Freud und Jung als auch Neuere wie die Neue Phänomenologie von Hermann Schmitz zu Wort.

Bei dem Buch handelt es sich um eine Art Reader, der dem Leser die Möglichkeit eröffnet, eine für sich adäquate Positionierung innerhalb der Denkschulen zu finden. Es möchte aber auch so der Klappentext {…}einen umfassenden Überblick zum Umgang mit Wahnpatienten“ geben.

Wie der Titel bereits nahelegt, wird in den Beiträgen eine analytische Haltung dem Wahn gegenüber eingenommen, in der „ Bedeutung und {…} Sinngehalt“ des Wahns im Fokus liegen.

Um stets in Nähe zur praktischen Anwendbarkeit der Denkschulen zu bleiben, beinhaltet das Buch zwei Fallbeispiele, auf die das jeweilige Modell am Ende eines jeden Aufsatzes angewendet wird.

Didaktik

Die Texte des Bandes sind jeweils etwa 15 Seiten lang und bieten meinem Gefühl nach eine gute Basis für gewogene Leser. Ein großes Vorwissen ist nicht zwangsläufig erforderlich.

Bilder gibt es abgesehen von ein Paar Tabellen nicht. Sie sind aber auch nicht nötig, beziehungsweise fehl am Platze.

Mit seinem Softcoverumschlag und seinen etwas über 200 Seiten Umfang ist das Buch gut transportabel.

 

Preis/Leistung und Fazit

Bei dem Buch handelt es sich meiner Einschätzung nach nicht um ein medizinisches Lehrbuch. Es ist vielmehr eine Textsammlung für akademisch an dem Thema „Wahn“ Interessierte oder für Wissenschaftler ganz verschiedener Fachrichtungen, die aus irgendwelchen Gründen einen tieferen Einblick in die verschiedenen theoretischen Modelle benötigen. Für einen Mediziner oder Psychologen bezogen auf seine berufspraktische Tätigkeit als Arzt oder Therapeut hat das Buch mehr orientierenden Nutzen. Zum Beispiel mag jemand, der den Plan hat Psychiater zu werden, das Buch lesen, um herauszufinden, welche Denkschule ihm oder ihr am meisten zusagt und dann darauf gründend seine Weiterbildung organisieren. Gut ist die Sammlung auch für bereits in der Weiterbildung Befindliche, um sich einen theoretischen Unterbau für ihr Fachgebiet, sei es Psychiatrie oder Psychosomatik zu schaffen. Um sich als interessierter Laie mit dem Thema auseinander zu setzen, ist das Gebiet, mit dem sich das Buch befasst, zu spezifisch und die Texte auch zu komplex geschrieben. „Hobbypsychologen“ sind anderweitig besser beraten.

Den Preis von 39,95 Euro halte ich für etwas überteuert, aufgrund der Hohen Anzahl an Autoren aber vergleichsweise angemessen.