Wenn Frauen töten: Annäherung an das Phänomen weiblicher Gewalt

Kategorien: Psychiatrie/ Psychosomatik.

Titel: Wenn Frauen töten: Annäherung an das Phänomen weiblicher Gewalt (1. Auflage)
Autor: Michael Soyka
Verlag: Schattauer
Preis: 29,95 EUR
Seitenzahl: 164
ISBN: 3-7945-2346-6
Bewertung:

Inhalt

Das Buch „Wenn Frauen töten“ von Buchautor Michael Soyka, der seit 1985 als Psychiater tätig ist, nähert sich einem sehr speziellen Thema, welches im regulären Psychiatriecurriculum nur eine sehr untergeordnete Rolle einnimmt:der forensische Psychiatrie. Genauer beleuchtet Herr Soyka in seinem 164 Seiten umfassenden Werk das Phänomen weiblicher Gewalt. Anhand von sechs Fällen, die er oder seine Kollegen betreut und begutachtet haben; Herr Soyka ist spezialisiert auf das Gebiet forensische Psychiatrie und hat langjährige Erfahrungen als Gutachter; erlaubt dieses Buch Einblicke in die Psyche und das Schicksale von Frauen, die getötet oder es versucht haben. Dabei geht es dem Autor nach eigenen Angaben nicht darum das voyeuristische Interesse des Lesers zu befriedigen, so wie es viele Journalisten bereits tun, sonder Ziel des Werkes ist es darüber hinaus zu gehen. Soyka nähert sich den beschriebenen Frauen von einem psychiatrischen Blickwinkel und versucht die Hintergründe und Beweggründe in einen psychiatrischen Kontext einzuordnen. So arbeitet der Autor in seinem Buch nicht nur die Lebensumstände der Täterinnen auf und berichtet über die Ermittlungsergebnisse, sondern legt seinen Schwerpunkt auf die Darstellung der psychiatrischen Begutachtungen, Befunde und Bewertungen. Ziel ist es den Leserinnen und Lesern strukturiert zu erläutern und verdeutlichen wie Menschen, bzw. in diesem Falle Frauen, zu Tätern werden. Gerne schlägt er dabei auch einen Bogen zur Antike oder griechischen Mythologie, indem er konkrete Beispielsfälle mit ausdrucksstarken Charakteren aus der Literatur vergleicht. Um dem Leser ferner den Einstieg in das Thema zu erleichtern, nutzt der Autor die ersten fünfundzwanzig Seiten des Buches für eine ausführliche Einführung, unter anderem über die Kriminalstatistik in Bezug auf Frauengewalt, als auch über die forensische Psychiatrie im Allgemeinen.

Didaktik

Das Buch ist explizit nicht als Lehrbuch für forensische Psychiatrie gedacht und wendet sich demnach nicht nur an interessierte Mediziner, sondern ebenfalls an das Laienpublikum. Damit auch zuletzt genannte den verwendeten psychiatrischen Begrifflichkeiten folgen können, werden diese stets ausführlich erläutert und erklärt. Der in diesem Buch gewählte Schreibstil ist ferner nur wenig wissenschaftlich. Stattdessen beschreibt der Autor die gewählten Fälle in gut verdaulicher Prosa, sodass man zeitweise das Gefühl bekommt mehr einen Roman in den Händen zu halten, als ein Sachbuch. Leider scheint auch der Autor diese Grenzen ab und zu nicht für sich erkannt zu haben. Viele Begebenheiten werden subjektiv und emotional gefärbt dargestellt. Auch an unpassender Stelle kann sich der Autor Kommentare nicht verkneifen. Zum Teil ist der Autor somit sehr darauf bedacht dem Leser das Gefühl des Mitleids gegenüber den Täterinnen zu vermitteln. Schade aus meiner Sicht, da es dem Leser so fast genommen wird selbst zu entscheiden wie er zu den berichteten Fallbeschreibungen steht.

Preis/Leistung und Fazit

Das Buch kostet knapp 30€, aus studentischer Sicht und geschuldet der Tatsache, dass es eben kein echtes Lehrbuch ist, ein doch horrender Preis. Dennoch ist das Buch diesen Preis wert. So schildert es doch auf ganz persönliche Art und Weise die Schicksale von Frauen, die manchmal mehr sind als nur skrupellose Täterinnen und ermöglicht einen ganz anderen Blick auf die forensische Psychiatrie, als es ein Lehrbuch in diesem Fall könnte. Somit ist es insbesondere für an der Psychiatrie interessierte Medizinstudierende, aber auch für interessierte Juristen und Laien ein ganz bestimmt lohnenswertes Buch.