Wie geht’s und denn? Ärztliche Kommunikation optimieren

Kategorien: Sonstige.

Titel: Wie geht’s und denn? Ärztliche Kommunikation optimieren (1. Auflage)
Autor: Thomas M. H. Bergner
Verlag: Schattauer
Preis: 29,95 EUR
Seitenzahl: 246
ISBN: 9783794527175
Bewertung:

Inhalt

Thomas Bergner möchte mit seinem neuen Buch „Wie geht’s uns denn? Ärztliche Kommunikation optimieren“ eben genau dies – im gesamten Bereich ärztlicher Kommunikation Fehlerquellen aufzeigen und Tipps und konkrete Handlungsanleitungen geben, wie man als Arzt im Beruf Fehler vermeiden kann. Der Autor war selbst als Hautarzt tätig und ist nun seit 1994 „Coach für Führungskräfte, internationale Unternehmen und Berater für Medical Consultants“ tätig. Was ihn davon abgesehen als Experten auf dem Gebiet der Kommunikation auszeichnet, wird leider nicht deutlich. Sucht man im Internet nach dem Autor, stößt man nur auf die Homepage der Firma bergner.cc, welches anscheinend ein von ihm und seiner Frau geführtes Coaching-Unternehmen ist.Das Buch gliedert sich in vierzehn Abschnitte, die in Umfang und Thematik sehr unterschiedlich sind. Es wird naheliegenderweise mit zwei grundlegenden Abschnitten begonnen. Dann werden sozusagen die einzelnen Abschnitte eines Gesprächs aufgenommen, „Eröffnungsinitative“, „Als Arzt fragen“ etc. und danach folgen verschiedene Kapitel über speziellere Situationen, die relativ unabhängig voneinander auf dem ersten Teil des Buches aufzubauen scheinen. Allerdings wirkt diese gesamte Struktur nicht wirklich geordnet. Warum kommt erst als vorletztes Kapitel die „nonverbale Kommunikation“, nachdem schon während des gesamten Buches auf deren wichtiger Bedeutung herumgeritten wird? Warum ist das Thema „Ärztliches Wissen innerlich bewegen“, wenn es ein eigenes Kapitel verdient, nur zwei Seiten lang? Ein „roter Faden“ ist nicht wirklich zu erkennen.Dies ist leider auch innerhalb der einzelnen Kapitel so. Häufig wirkt ein Kapitel einfach wie eine Aufzählung von spontanen Einfällen, die er Autor zu diesem Thema hatte. Dabei sind insbesondere einige Sätze herausgehoben, deren Wichtigkeit betont werden soll. Warum aber sind diese Sätze allzuhäufig einfach inhaltsarme Floskeln? „Jedes ärztliche Gespräch berührt emotionale Ebenen beim Patienten.“ „Die Kommunikation ist einer der Hebel für Patienten, Ihre Macht als Arzt zu mindern – oder sie Ihnen zu lassen.“ „Ein Arzt muss etwas zu sagen haben. Wenn er nur etwas sagt, ist es nutzlos.“ Hier hat der Autor dann doch etwas Sinnvolles betont, nämlich die Beschreibung eines großen Anteils seines Buches. Denn auch außerhalb der Merkkästen bleibt der Autor häufig auf einer Ebene, die man auch im Gespräch unter zwei vernünftigen, gebildeten und einigermaßen emotional intelligenten Menschen erreichen könnte. Die vielleicht zwanzig Prozent des Buches, die darüber hinausgehen, lohnen in meinen Augen die Zeit der Lektüre nicht. Aber was soll man erwarten? Wir haben es eben beim Autor nicht mit einem Kommunikationswissenschaftler zu tun, sondern mit einem praktischen Arzt, der uns seine Alltagserfahrungen erläutert. Man könnte es deshalb vielleicht schon als anmaßend beurteilen, wenn der Thomas Bergner sein „9-Ebenen-Modell®“ der Kommunikation in eine Reihe mit Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun stellt.

Didaktik

Unabhängig vom Inhalt will ich versuchen, die Didaktik zu beurteilen. Das Buch richtet sich zwar tendenziell eher an praktizierende Ärzte und ist somit kein klassisches Lehrbuch, nutzt aber doch einige bekannte didaktische Mittel. Eine Hilfe sollen die zahlreichen praktischen Beispiele aus dem ärztlichen Alltag sein. Meistens sind die Geschichten oder Sätze interessant und man kann gut grobe Kommunikationsfehler erkennen, die Zuordnung zu einzelnen Techniken oder Gesprächsebenen, für die dann einzelne Sätze Beispiele sein sollen, wirkt allerdings zum Teil willkürlich.

Durchaus hilfreich sind die praktischen Anleitungen in Form von Ablaufschemata für einzelne Gesprächssituationen. Schritt für Schritt wird in diesen dem Leser erklärt, wie er z.B. Kritik annehmen oder Feedback geben kann. Dass dies dann allerdings als „sogenannte STEPS“ benannt wird, trägt dann wieder zum leicht unseriösen Anschein des Buches bei.

Einzelne wichtige Aussagen sind abgesetzt und grau hinterlegt, dies rückt sie stärker ins Blickfeld. Auf deren Inhalt ist aber oben schon eingegangen worden. Wenn dieser fehlt, bringt auch die beste Heraushebung nichts.

Preis/Leistung und Fazit

In meinen Augen ist das Buch den Preis von ca. 30€ eindeutig nicht wert. Weder der Inhalt, noch der didaktische Anspruch rechtfertigen, Geld für dieses Buch auszugeben. So ungern ich auch negative Kritik übe, ist das wenige Neue, was man aus „Wie geht’s uns denn“ mitnehmen kann, leider nicht einmal die Zeit wert, die man mit dem Lesen verbringt.Ich möchte wie der Autor selbst schließen: „Jedes Wort ist ein Vorurteil. (Friedrich W. Nietzsche)“