Wissenschaft und Karriere in der Medizin: Ein Leitfaden für Studierende und Ärzte

Kategorien: Sonstige.

Titel: Wissenschaft und Karriere in der Medizin: Ein Leitfaden für Studierende und Ärzte (1. Auflage)
Autor: Matthias Griese
Verlag: Mwv Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsges.
Preis: 29,95 EUR
Seitenzahl: 131
ISBN: 3941468626
Bewertung:

Inhalt

Karriereratgeber zu lesen, ist ein bisschen wie esoterische Selbsthilfekurse zu lesen. Sie geben einem kleinen Teil ihrer Leser Anstöße. Der weitaus größere Teil findet seine Antworten aber entweder mit zunehmendem Lebensalter automatisch, oder die Antworten werden nie gefunden nie – mit oder ohne Buch.Insofern stand ich „Wissenschaft und Karriere in der Medizin – Ein Leitfaden für Studierende und Ärzte“ von Matthias Griese, einem Münchner Pädiatrieprofessor anfangs recht kritisch gegenüber, wurde dann allerdings, soviel vorneweck positiv überrascht.Das Buch, erschienen in der „Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft“ ist eine kurze, kritische Abhandlung über den Deutschen Forschungsbetrieb. Sie legt dar, inwiefern ein Karriereweg in der Doppelrolle als Arzt und Wissenschaftler realistisch und im Einzelnen durchführbar ist. Gleichzeitig gibt der Text im Sinne eines „Leitfadens“ konkrete Handlungsanweisungen, zeigt Stolpersteine in einer ärztlich-wissenschaftlichen Karriere auf und liefert mehr oder weniger nützliche Tipps zum Beispiel zum Schreiben einer Doktorarbeit.Es ist gerade diese Doppelfunktion, die das Buch einerseits attraktiv macht und andererseits zu einem Problem führt. Denn um ein ehrlich politischer Text zu sein, ist die Argumentation oft nicht stringent genug. Immer wieder „pfuscht“ der Leitfaden dazwischen. Das ganze kann man natürlich auch vice versa formulieren. Eigentlich hätte es zwei Bücher gebraucht, aber dafür ist das Thema vielleicht noch nicht hinreichend erforscht oder groß genug.Worum geht es nun genau? Es geht darum, dass die Ärzte an deutschen Universitätskrankenhäusern sowohl forschen müssen als auch Krankenversorgung betreiben. Im Prinzip ist dagegen nichts einzuwenden. Denn nur ein klinisch teilaktiver Forscher, kann relevante Probleme innerhalb der Krankenversorgung erkennen und dann dafür mit seiner Forschung Lösungen finden.Die Realsituation aber sieht anders aus. Denn in Deutschland sind forschende Ärzte oft gezwungen ihre Forschung neben der Arbeit als klinischer Arzt auszuführen und stehen dadurch unter deutlich erhöhtem Stress. Es kommt zu beruflichen Gratifikationskrisen, Burnouts usw. In Amerika wird für forschende Ärzte ein Verhältnis von 80% Forschung zu 20% Patientenversorgung der Gesamtarbeitszeit angestrebt. In Deutschland existieren solche Zahlen nicht. Der „Forschungsarzt“ ist ein in Deutschland noch nicht hinreichend definierter Berufszweig. Das führt zu Unklarheiten und Ausbeutung von in der Forschung tätigen Ärzten und macht den Beruf des universitär tätigen Arztes gegenüber dem „normalen“ klinischen Mediziner unattraktiv.Zugegeben das ist ein Missstand, mit dem ich seit Beginn der Klinik konfrontiert bin und doch hat es mir geholfen einmal in geordneter Form darüber zu lesen. Es hat zu meinem Meinungsbildungsprozess beigetragen und ich bin nun sensibilisiert und kann etwas dagegen unternehmen. Was zu unternehmen ist, das zeigen mir dann die Abschnitte im Buch auf, die eher einem echten Leitfaden entsprechen.

Didaktik

Mit diesen Teilen bin ich vielleicht ein bisschen weniger zufrieden als mit den anderen. Denn didaktisch ist das Buch nicht so gut aufgearbeitet. Die Diagramme sind einfarbig und benötigen teilweise lange Untertexte, weil sie sonst nicht recht verständlich wären. Die konkreten Handlungsanweisungen (in meinem Fall am Beispiel der Promotion eruiert) scheinen manches eher zu verkomplizieren oder zu bürokratisieren als zu erleichtern. Es werden sehr viele Worddokumente angelegt in die Doktorand und  Doktorvater ihre Wünsche, Ideen und Ergebnisse eintragen und wechselseitig bewerten sollen. Dennoch manche Tipps oder auch die Tipps im Grundsatz (möglichst viel und nahe Absprache mit dem Doktorvater) sind gut und zweifelsohne sinnvoll.

Preis/Leistung und Fazit

Ich würde dieses Buch Vorklinikern und Klinikern in den ersten Semestern empfehlen. Ich weiß nicht ob Ärzte wirklich noch viel mit den Tipps anfangen können.Jedenfalls taugt das Buch etwas, wenn man für sich in Ansätzen entscheiden will, ob Wissenschaft in der Medizin einem liegt oder nicht. Das ändert aber wohl nichts daran, dass man es ausprobieren muss, wenn man es genau wissen will.Das deckt sich dann wieder mit der Erfahrung aus den esoterischen Selbsthilfebüchern.